Sicherheitsbeauftragte in der Feuerwehr: Unverzichtbar für die Unfallverhütung

27.08.2019

Sicherheitsbeauftragte sind nur ein Zahnrad in der großen "Maschine" Freiwillige Feuerwehr - allerdings ein sehr wichtiges. In diesem Artikel berichten wir über die Rolle, die Bedeutung, Ausbildung und Unterstützung der Sicherheitsbeauftragten in den Feuerwehren.

Foto: Jürgen Kalweit / HFUK Nordzoom
Foto: Jürgen Kalweit / HFUK Nord

Sicherheitsbeauftragte sind nur ein Zahnrad in der großen „Maschine“ Freiwillige Feuerwehr. Allerdings sind sie ein sehr wichtiges Zahnrad, das viel bewegen und am Laufen halten kann. Auch wenn die Sicherheitsbeauftragten keine Verantwortung für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz in der Feuerwehr tragen, können sie jedoch sehr viel für das Niveau der Sicherheit tun. In diesem Artikel gehen wir auf die Rolle, die Bedeutung, Ausbildung und Unterstützung der Sicherheitsbeauftragten in den Feuerwehren ein.

Verantwortung für Sicherheit und Gesundheitsschutz in der Feuerwehr
Die Verantwortung für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz in der Feuerwehr ist auf viele Schultern verteilt und beginnt bei der Stadt bzw. Gemeinde als Träger des Brandschutzes. Bürgermeister bzw. Bürgermeisterin haben die Funktion des Unternehmers bzw. der Unternehmerin inne.

"Verantwortungspyramide" für die Unfallverhütung (Grafik: Jürgen Kalweit / HFUK Nord)zoom
"Verantwortungspyramide" für die Unfallverhütung (Grafik: Jürgen Kalweit / HFUK Nord)

Die Stadt bzw. Gemeinde hat nach den Brandschutzgesetzen der Länder eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen und zu unterhalten. Das Aufstellen einer Brandschutzbedarfsplanung hilft bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit einer Feuerwehr. Mit anderen Worten: Für das Feuerwehrhaus und die Ausstattung der Feuerwehren mit Fahrzeugen, Ausrüstung und Geräten liegt die Hauptverantwortung bei den Gemeinden und Städten.

Für den Dienstbetrieb in der Feuerwehr zeichnet sich die Wehrführung verantwortlich. Sie muss ausgebildete Feuerwehrangehörige in verschiedenen Funktionen vorhalten, die mit einsatzbereiten und regelmäßig geprüften Geräten arbeiten und daran wiederholt üben. Ebenso müssen Führungsfunktionen wie Zugführung und Gruppenführung vorhanden sein, die wiederum für ihre eingesetzten Einheiten Verantwortung tragen. Letztendlich sind alle Feuerwehrangehörigen für eigenes Tun und Handeln, also für ihre eigene Sicherheit verantwortlich.

Die Sicherheitsbeauftragten tragen also für die Organisation der Sicherheit, des Gesundheitsschutzes und Unfallverhütung in der Feuerwehr keine Verantwortung – diese Aufgabe und Verantwortung obliegt dem Unternehmer, also der Stadt bzw. Gemeinde, vertreten durch Bürgermeister bzw. Bürgermeisterin. Sicherheitsbeauftragte sind aber natürlich, wie alle anderen Feuerwehrangehörigen auch, für ihr eigenes Tun und Handeln verantwortlich.     

Auswahl von Sicherheitsbeauftragten: Akzeptanz und Kompetenz erforderlich
Für eine erfolgreiche Umsetzung von Sicherheit und Gesundheitsschutz ist eine gute Unterstützung in der Basis der Feuerwehr erforderlich. Dafür sind die Sicherheitsbeauftragten das wichtigste Bindeglied zwischen Führung und Mannschaft.

Bei der Auswahl von geeigneten Sicherheitsbeauftragten spielen folgende Voraussetzungen eine wichtige Rolle: 

  • Akzeptanz bei den Feuerwehrangehörigen und Führungskräften;
  • Gute Beobachtungsgabe und Überzeugungsvermögen;
  • Engagement, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit;
  • Langjährige Erfahrung;
  • Fachkunde.

Wie man diesem Anforderungskatalog entnehmen kann, sollten Sicherheitsbeauftragte keine Anfänger in der Feuerwehr sein, denn sie sollten mit der nötigen Fachkompetenz den Feuerwehrangehörigen auf Augenhöhe begegnen und auch die Führungskräfte unterstützen können.

Sicherheitsbeauftragte unterstützen in Sachen Sicherheit und Gesundheit
Sicherheitsbeauftragte haben nicht die Aufgabe, Feuerwehrangehörige stets und ständig daran zu erinnern, dass sie ihre persönliche Schutzausrüstung anzulegen haben. Ebenso haben sie während der Einsätze keine besonderen Sicherheits- oder Unfallverhütungsaufgaben wahrzunehmen. An Einsätzen nehmen Sicherheitsbeauftragte ganz normal wie alle anderen Feuerwehrangehörigen teil.

Die wesentlichen Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten sind:

  • Den zuständigen Träger des Brandschutzes bei der Unfallverhütung zu unterstützen und zu beraten;
  • Schulungen und Ausbildungsdienste zur Unfallverhütung durchzuführen;
  • auf Sicherheitsdefizite und Gesundheitsgefahren aufmerksam zu machen und erkannte Mängel zu melden;
  • Feuerwehrangehörige zum sicheren Handeln anzuhalten.
Sicherheitsbeauftragte zeichnet Erfahrung, Fachkunde sowie Sozial- und Teamkompetenz aus. Wie hier bei einer Übung können sie z.B. als "zweites Paar Augen für die Sicherheit" das Handeln der Einsatzkräfte beobachten und für die spätere Auswertung dokumentieren. (Foto: Christian Heinz / HFUK Nord)zoom
Sicherheitsbeauftragte zeichnet Erfahrung, Fachkunde sowie Sozial- und Teamkompetenz aus. Wie hier bei einer Übung können sie z.B. als "zweites Paar Augen für die Sicherheit" das Handeln der Einsatzkräfte beobachten und für die spätere Auswertung dokumentieren. (Foto: Christian Heinz / HFUK Nord)

Ansprechperson für alle Fragen der Unfallverhütung
Gut informierte und aktive Sicherheitsbeauftragte in einer Feuerwehr entwickeln sich schnell zu einer Ansprechperson, die vertrauensvoll weiterhelfen kann. Kompetente und freundliche Sicherheitsbeauftragte finden Anerkennung in der Feuerwehr, sie dürfen auch gerne mal mit Fotoapparat und Schreibblock bei einer Übung alles beobachten und aufzeichnen. Diese Aufzeichnungen lassen sich vielleicht in einer anschließenden Besprechung oder für eine spätere Unterweisung gut verwenden. Dies sind Möglichkeiten, wie die Beauftragten vermeidbare Risiken erkennen und bereits im Voraus ausschalten könnten.

Sicherheitsbeauftragte unterstützen Führungskräfte bei allen Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz und informieren diese über mögliche Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit. Wenn es trotz aller Bemühungen zu Unfällen kommt, sollten die Sicherheitsbeauftragten gemeinsam mit den Führungskräften die Unfallanzeigen ausfüllen und aus den Unfallhergängen Rückschlüsse auf mögliche Unfallverhütungsmaßnahmen ableiten.

Foto: Jürgen Kalweit / HFUK Nordzoom
Foto: Jürgen Kalweit / HFUK Nord

Sicherheitsbeauftragte sollten sich zudem für die Aufgaben und Struktur der Feuerwehr interessieren und sich die Aufgabenfelder einzelner Personen wie z.B. Gerätewarte und Atemschutzgerätewarte erläutern lassen: Wo werden z.B. welche Geräte in welchen Zeitabständen geprüft und wie wird es dokumentiert? Dadurch lässt sich z.B. später besser erkennen, ob noch Fehler in der Prozedur liegen und ob einzelne Gerätschaften versehentlich nicht geprüft wurden.

Eine weitergehende Liste der Aufgaben für Sicherheitsbeauftragte kann man dem Heft „Sicherheitsbeauftragte der Feuerwehren“ entnehmen. Dieses Heft halten alle Feuerwehr-Unfallkassen im Internet als PDF-Datei oder in gedruckter Form vor.

Videoclips, Sicherheitsbriefe, Medienpakete & Co.: Feuerwehr-Unfallkassen bieten vielfältige Medien
Die Feuerwehr-Unfallkassen bieten als Hilfestellung und Unterstützung für die Arbeit der Sicherheitsbeauftragten in den Wehren vor Ort vielfältige und umfangreiche Materialien an: Die Broschüre „Sicherheitsunterweisungen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren“ enthält z.B. allgemeine Hinweise zu den Sicherheitsunterweisungen. Darüber hinaus stehen Schulungsmaterialien wie z.B. Medienpakete mit verschiedenen Filmen und Präsentationen, Plakate, Wandzeitungen, Broschüren, Zeitschriften, Stichpunkte Sicherheit als Kurzinformation sowie Videoclips zur Verfügung. Viele der Medien gibt es zum Herunterladen in dem Internetauftritt der HFUK Nord und können somit von überall abgerufen werden. Sollten gedruckte Exemplare gewünscht werden, kontaktieren Sie bitte die zuständige Geschäftsstelle der HFUK Nord.

Software-Lösungen und Datenbank zur Unterstützung
Auf der Homepage der HFUK Nord finden sich interessante Software-Lösungen für die Arbeit der Sicherheitsbeauftragten. Hier ist beispielsweise die Datenbank FUK-CIRS zu nennen. Dies ist eine Datenbank, in der Feuerwehrangehörige kritische Situationen aus ihrem Dienstbetrieb in den Feuerwehren melden können. Dies sind Situationen, die leicht zu einem Unfall hätten führen können, aber zum Glück gerade noch einmal gutgegangen sind. Daraus kann man viel Stoff für Unterrichte, Ausbildungsdienste und Unterweisungen ziehen, es ist aber auch möglich, eigene Fälle in diese Datenbank einzustellen, um anderen Feuerwehren die Möglichkeit zu geben, sich in der Unfallverhütungsarbeit breiter aufzustellen. Eingaben in dieser Datenbank sind anonym und lassen keine Rückschlüsse auf die eigene Feuerwehr zu.

Ebenfalls werden von der HFUK Nord Software-Lösungen zur sicheren Feuerwehrhausplanung und Gefährdungsbeurteilung auf der Internetseite der HFUK Nord angeboten. Diese dienen ebenfalls der Unfallverhütungsarbeit in der Feuerwehr und stehen kostenlos zur Verfügung.

Sicherheitsbeauftragte können sich über Neuerungen und über aktuelle Gefahrenmeldungen auf der Homepage der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord informieren. Die HFUK Nord bietet zudem einen Newsletter an.

Wie werden die Sicherheitsbeauftragten ausgebildet?
Um die Aus- und Fortbildung der Sicherheitsbeauftragten kümmert sich die Feuerwehr-Unfallkasse. Wird in einer Feuerwehr im Geschäftsgebiet der HFUK Nord ein neuer bzw. eine neue Sicherheitsbeauftragte/-r bestimmt, so muss diese/-r an die HFUK Nord gemeldet werden. Ein entsprechender „SiBe-Meldebogen“ befindet sich zum Herunterladen und Ausfüllen auf der Internetseite. Durch die Meldung hat die HFUK Nord die Anschrift der bzw. des Sicherheitsbeauftragten und kann die Person dann direkt anschreiben, um beispielsweise den „Sicherheitsbrief“, Medienpakete, Poster oder sonstige Medien zur Unfallverhütung zuzusenden.

Sicherheitsbeauftragte werden von der HFUK Nord aus- und fortgebildet, wie hier bei einem Fortbildungsseminar für Kreis- und Stadt-Sicherheitsbeauftragte. (Foto: Christian Heinz / HFUK Nord)zoom
Sicherheitsbeauftragte werden von der HFUK Nord aus- und fortgebildet, wie hier bei einem Fortbildungsseminar für Kreis- und Stadt-Sicherheitsbeauftragte. (Foto: Christian Heinz / HFUK Nord)

Sobald ein Platz für den Lehrgang für Sicherheitsbeauftragte zur Verfügung steht, erfolgt die Einladung per Post. Die Ausbildung erfolgt in einem 3-Tages-Grundlehrgang im Jugendfeuerwehrzentrum Rendsburg oder an der Landesfeuerwehrschule in Malchow. Für den Lehrgangsbesuch kann Bildungsurlaub beantragt werden. Nach einiger Zeit im Amt werden die Sicherheitsbeauftragten von der HFUK Nord zu einem 3-tägigen Fortbildungslehrgang eingeladen, der zur Weiterbildung und dem Erfahrungsaustausch dient.

Auf Ebene der Landkreise bzw. zusammen mit den Kreisfeuerwehrverbänden werden weitere Fortbildungsveranstaltungen für Sicherheitsbeauftragte und Wehrleitungen organisiert: Die HFUK Nord bietet in jedem Kreis alle zwei Jahre einen Weiterbildungsabend zu aktuellen Themen der Unfallverhütung an, zu dem alle Wehren des jeweiligen Landkreises eingeladen werden.

Unterstützung durch dichtes Multiplikatoren-Netz
Damit die Sicherheitsbeauftragten in den Wehren regionale Ansprechpartner in Sachen Sicherheit haben, gibt es bei der HFUK Nord die Kreis- und Stadt-Sicherheitsbeauftragten. In Hamburg heißen diese Bereichs-Sicherheitsbeauftragte. Diese Akteure auf Ebene der Landkreise sind Bindeglied zwischen der Feuerwehr-Unfallkasse und den Sicherheitsbeauftragten in den Feuerwehren. Sie bieten z.B. fachliche Unterstützung, gestalten Seminare für Sicherheitsbeauftragte mit und vertreten die Themen Unfallverhütung, Sicherheit und Gesundheit bei den Kreisfeuerwehrverbänden. Die Kreis- und Stadt-Sicherheitsbeauftragten werden ebenfalls kontinuierlich fortgebildet. Die HFUK Nord veranstaltet regelmäßig 2-tägige Seminare, bei denen die Kreis-, Stadt-und Bereichs-Sicherheitsbeauftragten über die neuesten Entwicklungen in Sachen Prävention informiert werden.

Sicherheitsbeauftragte im Portrait:

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"Wichtig ist mir der Erfahrungsaustausch mit meinen Kameradinnen und Kameraden."

Heinz Harden
Bereichs-Sicherheitsbeauftragter Vierlande, Hamburg

Foto: Christian Heinz / HFUK Nordzoom
Foto: Christian Heinz / HFUK Nord

Heinz Harden, Jahrgang 1956, ist seit 1975 Mitglied der FF Kirchwerder- Nord in Hamburg. Nach den Lehrgängen bis zur Ebene Zugführer wurde er 1996 Sicherheitsbeauftragter seiner Wehr, seit 1999 ist er als Bereichs- Sicherheitsbeauftragter für den Bereich „Vierlande“ für sieben Wehren zuständig. „Ich bin als selbstständiger Unternehmer in meinem Gartenbaubetrieb mit dem Thema Sicherheit permanent konfrontiert. Wichtig ist mir der Erfahrungsaustausch mit meinen Kameradinnen und Kameraden, da man dadurch einen großen Informationsschatz aufbaut“, berichtet Heinz Harden über seine Tätigkeit in Sachen Sicherheit und Gesundheit im Feuerwehrdienst. „Die halbjährlichen Fortbildungsseminare der HFUK Nord bedeuten mir sehr viel, die Vorträge sind immer eine große Hilfe für meine eigene Arbeit auf Bereichsebene“, lobt Harden die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr-Unfallkasse und fügt hinzu: „Am Wichtigsten ist mir, an der Akzeptanz der Unfallverhütungsarbeit im Feuerwehrdienst zu arbeiten. Manchem wird die Wichtigkeit des Themas erst klar, wenn es einen Unfall gegeben hat“.

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