Reha nach einem Unfall: Zurück ins Leben – mit allen geeigneten Mitteln

19.10.2021

Die wichtigste Aufgabe in der gesetzlichen Unfallversicherung ist und bleibt die Prävention, um Unfälle und Berufskrankheiten zu vermeiden. Aber nicht immer gelingt es, einen Unfall oder eine Berufskrankheit zu vermeiden. In diesem Artikel schildern wir Beispiele, wie ein verunfallter Feuerwehrangehöriger dank einer gelungenen Rehabilitation seinen Weg zurück ins Leben gefunden hat.

Bild: Gabriela Kirstein / HFUK Nordzoom
Bild: Gabriela Kirstein / HFUK Nord

Die wichtigste Aufgabe in der gesetzlichen Unfallversicherung ist und bleibt die Prävention, um Unfälle und Berufskrankheiten zu vermeiden. Aber nicht immer gelingt es, einen Unfall oder eine Berufskrankheit zu vermeiden. In diesem Artikel schildern wir Beispiele, wie ein verunfallter Feuerwehrangehöriger dank einer gelungenen Rehabilitation seinen Weg zurück ins Leben gefunden hat. 

Gesetzliche Aufgabe der Feuerwehr-Unfallkassen gemäß Sozialgesetzbuch 7 ist es, nach dem Eintritt von Arbeitsunfällen die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit mit allen geeigneten Mitteln wiederherzustellen.

Wird ein Arbeitsunfall im Betrieb der Feuerwehr angezeigt, werden die Feuerwehr-Unfallkassen sofort tätig, weil sie für die Steuerung des Heilverfahrens zuständig sind. Dazu gehört es, die stationäre und ambulante Behandlung so auszurichten, dass der größtmögliche Heilerfolg erreicht wird. Wenn die Heilkunst an ihre Grenzen stößt, verbleibt ein mehr oder weniger großer gesundheitlicher Schaden. Dieser kann vorübergehend oder dauerhaft sein. In vielen Fällen können die betroffenen Feuerwehrangehörigen ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben. In solchen Fällen greift die berufliche Rehabilitation. In einigen Fällen müssen daneben auch noch Leistungen zur sozialen Rehabilitation erbracht werden.

Auch bei Angehörigen der Kinder- und Jugendfeuerwehren greifen die Rehabilitationsmaßnahmen. Hier setzen zusätzlich Nachhilfe und Berufswegeplanung an.

Mit all diesen Maßnahmen soll erreicht werden, dass Feuerwehrangehörige nach einem Arbeitsunfall ihr altes Leben soweit wie möglich fortführen können. Alles, was nach einem Unfall nicht mehr so wie früher ist, soll kompensiert werden.

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Medizinische Rehabilitation

  • Erste Hilfe
  • Unfallrettung, Erstversorgung
  • Ambulante und stationäre Behandlung
  • Häusliche Krankenpflege
  • Ambulante und stationäre medizinische Rehabilitation
  • Heil- und Hilfsmittel

Berufliche Rehabilitation

  • Schulische Maßnahmen
  • Berufswegeplanungen für Kinder, Schülerinnen und Schüler
  • Maßnahmen, um einen Ausbildungsplatz zu erlangen oder um einen vorhandenen Arbeitsplatz zu sichern
  • Berufliche Anpassung, Fortbildung, Ausbildung, Umschulung

Soziale Rehabilitation

  • Wohnungshilfe
  • Kraftfahrzeughilfe und Mobilitätshilfe
  • Sozialpädagogische und psycho soziale Beratung/Betreuung
  • Haushaltshilfe
  • Rehabilitationssport
  • Erholungsaufenthalte
 

Der Feuerwehrangehörige Holger Lehmann, der einen schweren Unfall erlitten hat, schildert nachfolgend, wie diese Maßnahmen bei der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord umgesetzt wurden.

Feuerwehr-Unfall mit 21 Jahren

Holger Lehmann | 43 Jahre, Wehrführer, FF Bad Kleinen, Mecklenburg-Vorpommern

"Nun steht die FUK mir schon seit 23 Jahren zur Seite." (Bild: Gabriela Kirstein / HFUK Nord)zoom
"Nun steht die FUK mir schon seit 23 Jahren zur Seite." (Bild: Gabriela Kirstein / HFUK Nord)

„Wir waren zu viert auf einer Fahrt zum Lehrgang. In einer scharfen Kurve kam ein LKW frontal auf uns zu. Das war das letzte, was ich sah.“ Soweit schildert Holger Lehmann seine Erinnerungen an den Unfall selbst. Alle Fahrzeuginsassen erlitten teilweise erhebliche Verletzungen. „Als Beifahrer traf es mich am schlimmsten. Ich hatte gefühlt kaum noch einen heilen Knochen in meinem Körper“, führt der Wehrführer der FF Bad Kleinen aus. Diagnostiziert wurden eine Unterarm- und eine Sprunggelenksfraktur sowie eine Beckentrümmerfraktur und ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Auch die Milz musste entfernt werden.

Dass er aus dem Feuerwehrfahrzeug mit Schere und Spreizer befreit werden musste und zur Notversorgung in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht wurde, bekam er nicht mehr mit. „Das erstes Mal erlangte ich das Bewusstsein einen Tag nach dem Unfall in einem Hubschrauber, als ich in das Unfallkrankenhaus nach Hamburg gebracht wurde.“

Zu Hause im Krankenhaus
„Das Unfallkrankenhaus Hamburg wurde für die nächsten 23 Wochen mein neues Zuhause“, erzählt Lehmann. Zu den schweren körperlichen Verletzungen kamen auch noch andere Sorgen. Grund dafür war, dass die Ärzte nicht sagen konnten, ob er je wieder wird gehen können. Die Aussicht, für immer im Rollstuhl zu sitzen, war für den damals 20-jährigen, sportlich sehr aktiven jungen Mann, kaum vorstellbar und nicht einfach zu verkraften. Deshalb erhielt er in seinem Krankenzimmer regelmäßig Besuch von einem Psychologen, mit dem er zunächst gar nicht sprechen wollte. Holger Lehmann beschreibt die erste Kontaktaufnahme so: „Der Psychologe kam an mein Bett und legte mir eine Zeitung so hin, dass ich darin lesen sollte. Ich war völlig in mich gekehrt und hatte kein Interesse zu lesen. Nach einiger Zeit kam er wieder und blätterte die Zeitung um.“ So wurde das Eis gebrochen und der Psychologe konnte ihn langsam aufbauen. Als dann die Hoffnung wuchs, wieder gehen zu können, wurde es immer besser. Bei späteren Spaziergängen über die Krankenhausflure und Begegnungen mit Rollstuhlfahrern wurde ihm klar, welches Glück er hatte.

Die Behandlung im Unfallkrankenhaus empfand Holger Lehmann als sehr professionell. Das Zusammenspiel aller Fachabteilungen hat bestens geklappt. „Alle waren stets über meinen aktuellen Genesungszustand und den weiteren Behandlungsplan im Bilde. Das hat mir viel Vertrauen gegeben“, schildert er. Auf kleinste Störungen im Heilverfahren konnte sofort reagiert werden.

Die Reha war wichtig
Kurze Zeit nach seinem stationären Aufenthalt im BG-Krankenhaus Hamburg schloss sich eine neunwöchige Reha-Maßnahme an, die wohnortnah durchgeführt werden konnte. Alles in allem war es eine lange Zeit intensiver Behandlungen, die sich am Ende aber ausgezahlt haben. Ein Gesundheitszustand wie vor dem Unfall konnte nicht ganz erreicht werden. „Wenn ich mir meine schweren Verletzungen vor Augen führe, kann ich mit meinem jetzigen gesundheitlichen Zustand sehr zufrieden sein. Ich bin froh, dass ich heute kaum noch Schmerzen habe. Eine Fußhebeschwäche bereitet mir aktuell noch die größten Sorgen“, resümiert Lehmann. Diese wurde gerade mit einer Karbonschiene versorgt. Auch eine gewisse Wetterfühligkeit an den Frakturstellen und an den Narben macht sich noch bemerkbar.

Die Feuerwehr-Unfallkasse war schon am Krankenbett dabei
Schon während des Krankenhausaufenthaltes wurde Bekanntschaft mit der gesetzlichen Unfallversicherung gemacht. Es galt sicherzustellen, dass im häuslichen und beruflichen Umfeld alles vorbereitet ist, so dass es nach der medizinischen Reha gleich weitergehen konnte. Die Mitarbeiter der zuständigen HFUK Nord kümmerten sich von Anfang an intensiv. „Zum Zeitpunkt des Unfalles hatte ich noch das letzte Jahr meiner 3 ½-jährigen Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungsbauer zu absolvieren. Das wollte ich unbedingt zu Ende bringen, weil ich diesen Abschluss in der Tasche haben wollte“, macht Holger Lehmann deutlich. Schnell stand nach dem Unfall jedoch fest, dass ein Arbeiten in diesem Beruf nicht mehr möglich sein wird. Die Ausbildung wurde dennoch abgeschlossen. Die FUK organisierte die Aufnahme im Berufsförderungswerk Hamburg, um herauszufinden, welche Umschulungsmaßnahme geeignet wäre. „Meine erste Wahl fiel auf eine Tätigkeit als Leitstellendisponent. Dieser Traum platzte bald, weil ich dazu für ein halbes Jahr als Rettungssanitäter ausgebildet werden musste. Das war mit meinen Verletzungsfolgen nicht möglich. Dann kam der Vorschlag, eine Verwaltungsausbildung zu machen. Ein Schreibtischjob kam für mich jedoch nicht in Frage“, berichtet Lehmann. Schließlich ließ er sich dann doch noch überzeugen. Heute ist er Leiter des Amtsbauhofes und hat damit wieder eine Verbindung zum Handwerk, seinem ursprünglichen Berufswunsch.

Normaler Feuerwehralltag: Holger Lehmann und seine Kameraden im Ausbildungsdienst (Bild: Gabriela Kirstein / HFUK Nord)zoom
Normaler Feuerwehralltag: Holger Lehmann und seine Kameraden im Ausbildungsdienst (Bild: Gabriela Kirstein / HFUK Nord)

Feuerwehrdienst nach den Verletzungen?
Die freiwillige Feuerwehr ist nach wie vor ein Bestandteil seines Lebens. Bei den schweren Verletzungen, die Holger Lehmann erlitten hat, ist es kaum vorstellbar, dass er nicht nur Wehrführer, sondern auch Atemschutzgeräteträger ist. „Regelmäßiger Sport ist Grundvoraussetzung, dass ich meine Aufgaben in der Wehr erfüllen kann. Sport war schon immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, auch vor dem Unfall. Aber so wie früher geht das nicht mehr. Auch sportlich musste ich mich umorientieren“, erklärt er. In seinem Heimatort gibt es ein Sport- und Gesundheitszentrum. Dort fühlt er sich bestens aufgehoben. „Ich hoffe, dass ich mich mit Hilfe des Sports noch lange für meinen Feuerwehrdienst fit halten kann. Das liegt mir sehr am Herzen“, blickt Holger Lehmann in die Zukunft.

Von der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse erhält er eine Verletztenrente einschließlich Mehrleistungen.

„Natürlich habe ich auch schon vor meinem Unfall von der Feuerwehr-Unfallkasse gehört, ‘ne Versicherung eben. Doch nun steht die FUK mir schon seit 23 Jahren zur Seite. Wenn ich bei der FUK anrufe, fragt keiner nach dem Aktenzeichen, mein Name reicht. Egal welches Anliegen ich habe, ich finde immer ein offenes Ohr“, fasst Holger Lehmann zusammen.