Unfallverhütungsaktion mit Anhängekarte: Gefahren bei Lichtmaststativen

05.10.2021

Zur Ausleuchtung von Einsatzstellen werden bei der Feuerwehr neben auf Fahrzeugen montierten Lichtmasten vor allem tragbare Lichtmaststative mit aufgesetzten Scheinwerfern verwendet. Die aus zusammengesteckten Rohren bestehenden teleskopierbaren Stative führen immer wieder zu zum Teil schweren Unfällen im Einsatz- und Übungsdienst.

Anhängekarte "Gefahren bei Lichtmaststativen" (Bild: HFUK Nord)zoom

Zur Ausleuchtung von Einsatzstellen werden bei der Feuerwehr neben auf Fahrzeugen montierten Lichtmasten vor allem tragbare Lichtmaststative mit aufgesetzten Scheinwerfern verwendet. Die aus zusammengesteckten Rohren bestehenden teleskopierbaren Stative führen immer wieder zu zum Teil schweren Unfällen im Einsatz- und Übungsdienst. Bereits 2015 wiesen wir im Sicherheitsbrief Nr. 37 auf die Gefahren hin. Das weiterhin bestehende und aktuelle Unfallgeschehen ist für uns der Grund, sich dem Thema mit einer gezielten Unfallverhütungsaktion zu widmen. Für die Stative haben wir Anhängekarten entwickelt, die vor den Unfallgefahren aktiv warnen sollen.

„Als ich an der Flügelschraube drehte, rutschte die Scheinwerferbrücke plötzlich nach unten und traf mich auf der Schulter“. So oder ähnlich klingende Unfallbeschreibungen erreichen die Feuerwehr-Unfallkassen regelmäßig. Das teleskopierbare und tragbare Lichtmaststativ gehört zur Standardbeladung von Einsatzfahrzeugen. Es ermöglicht den Einsatzkräften, mobil auf der Einsatzstelle für eine ausreichende Beleuchtung zu sorgen. Durch die Teleskopierbarkeit können die Scheinwerfer flexibel auf eine Höhe gebracht werden, die es ermöglicht, eine größere Fläche möglichst blendfrei auszuleuchten.

Die richtige Handhabung der auf den Einsatzfahrzeugen mitgeführten Beleuchtungsgeräte ist Bestandteil der Truppmannausbildung nach FwDV 2. Im späteren Einsatz- und Übungsdienst findet das Stativ mit den Scheinwerfern jedoch oftmals nicht mehr viel Beachtung, da man aufgrund seiner simplen Technik davon ausgeht, dass die Feuerwehrangehörigen damit umgehen können. Die Unfallzahlen und vor allem Unfallbeschreibungen sprechen jedoch eine andere Sprache.

Ungebremstes Einfahren führt zu Unfällen
Dass Stative kippen und umfallen, ist zum Glück eher selten. Ursächlich für Unfälle mit den Stativen ist, bedingt durch das hohe Gewicht der Scheinwerfer, das schnelle, ungebremste Einfahren der Stativ-Teleskoprohre. Fährt das Stativ schnell ein, greifen die Einsatzkräfte meist instinktiv mit einer Hand an die einfahrenden Rohre um diese aufzuhalten. Werden Handschuhe getragen, werden Verletzungen in der Regel verhindert oder minimiert, und lediglich das Leder oder der Stoff der Handschuhe wird in den einfahrenden Rohren eingeklemmt. Werden jedoch keine Handschuhe getragen – und das soll vorkommen – so kommt es zu Brandblasen durch die Reibung und Quetschungen der Haut.

Durch das hohe Gewicht der Scheinwerfer wird das schnelle Einfahren nicht nur begünstigt, es führt auch dazu, dass das einfahrende Stativ nahezu ungebremst mit dem Scheinwerfer oder der Aufnahmebrücke Kopf oder Schulter trifft. Auch hier würde zumindest ein Helm den Kopf schützen. Auch eine Einsatzschutzjacke würde das Ausmaß der Schulterverletzung zumindest etwas dämpfen. Und auch hier wird das Ausmaß der Unfallschädigung durch das Nicht-Tragen von Persönlicher Schutz-ausrüstung (PSA) begünstigt.

Ein plötzliches Zusammenrutschen der Teleskoprohre des Lichtmaststatives kann zu schweren Verletzungen führen. (Bild: Dirk Rixen / HFUK Nord)zoom
Ein plötzliches Zusammenrutschen der Teleskoprohre des Lichtmaststatives kann zu schweren Verletzungen führen. (Bild: Dirk Rixen / HFUK Nord)

Zusammengefasst kommen wie bei Unfällen üblich, mehrere unfallauslösende und unfallbegünstigende Faktoren zusammen. Zu Beginn steht eine unzureichende Ausbildung im Umgang mit dem Gerät. Diese in Verbindung mit der Unkenntnis über die möglichen Gefahren durch das Stativ führen zu einer Fehlbedienung durch zu schnelles Lösen der Feststellschraube. Das hohe Gewicht der Scheinwerfer und der Aufnahmebrücke führen zum schnellen Einfahren. Das häufig intuitive Hineingreifen an die einfahrenden Rohre sowie das nicht Vorhandensein von Helm und Handschuhen führen dann zur Verschlimmerung der Unfallfolgen. Am häufigsten verletzte Körperteile sind die Hände, Schultern oder der Kopf.

Warum so häufig keine Handschuhe oder Helm getragen werden, lässt sich nur schwer klären. Ein Grund ist vermutlich, dass das Lichtmaststativ in der Regel mit einer der letzten Ausrüstungsgegenstände ist, die abgebaut werden. Wurde vorher eine „PSA-Erleichterung“ ausgerufen oder zum Ende des Abbauens eine kurze Pause gemacht, so wird häufig die PSA abgelegt. Soll dann „mal eben noch schnell“ das Stativ abgebaut werden, wird die PSA manchmal nicht wieder vollständig angelegt.

Die genannten Gründe für die Unfälle zeigen aber auch die Lösungen zum Vermeiden der Unfälle auf. Im Arbeitsschutz hat sich das TOP-Prinzip bewährt. Technische Lösungen stehen daher an erster Stelle zur Lösung des Problems. Das Gewicht der Scheinwerfer und der Aufnahmebrücken lässt sich vermutlich nicht bzw. nur wenig verringern. Wo aber angesetzt werden kann bzw. auch schon wurde, ist das Einfahren der Stativstangen technisch zu verlangsamen. Mittlerweile sind Stative erhältlich, die durch eine Luftdämpfung auch bei komplett geöffneter Feststellschraube das Stativ nur langsam einfahren lassen. Die gedämpften Stative sind jedoch etwas teurer als die herkömmlichen Stative und erst seit kurzer Zeit verfügbar.

Organisatorische Lösungen sind daher bei den bisherigen Stativen ein ebenfalls wichtiger Baustein. Eine gute und regelmäßig durchgeführte Ausbildung, in der regelmäßig zu den Gefahren des schnellen Einfahrens des Statives mit seinen Folgen unterwiesen wird, ist unabdingbar.

Zu guter Letzt steht dann das P aus dem TOP-Prinzip für personenbezogene bzw. persönliche Schutzmaßnahmen oder PSA. Zum einen müssen sich die Feuerwehrangehörigen immer wieder verdeutlichen, dass das Gestänge langsam heruntergelassen werden muss und ein schnelles Einfahren verhindert wird. Darüber hinaus muss immer die vollständige PSA, allen voran Helm und Handschuhe, getragen werden. Die PSA ist die letzte Barriere des Körpers gegen schädigende Einflüsse von außen, wenn alle vorangegangenen Maßnahmen nicht gegriffen haben.

Aufgrund der immer wieder vorkommenden Unfälle mit den Stativen und der Tatsache, dass häufig weder ein Helm noch Handschuhe getragen wurden, gibt es bei der Feuerwehr-Unfallkasse HFUK Nord Anhängerkärtchen, die auf die Gefahren und die notwendige PSA hinweisen. Die Kärtchen im DIN A7-Format werden am Stativ angebracht. Die auffällig gestalteten und am Stativ „herumbaumelnden“ Kärtchen weisen direkt am Stativ unübersehbar auf die Gefahren und die notwendige PSA hin.

Im Geschäftsgebiet der HFUK Nord ist das Kärtchen mit dem Sicherheitsbrief Nr. 48 verschickt worden und kann zusätzlich in Ihrer zuständigen Geschäftsstelle der HFUK Nord angefordert werden.