Rückblick 2020: Corona ordnet die Statistik neu

20.07.2021

Wie viele Unfälle gab es 2020 in dem Geschäftsgebiet der HFUK Nord im Vergleich zu den Vorjahren? Bei welchen Tätigkeiten lagen jetzt die Unfallschwerpunkte?

Die coronabedingte erhebliche Reduzierung von Ausbildungsdiensten und Übungen hatte deutliche Auswirkungen auf die Unfallzahlen. (Bild: Christian Heinz / HFUK Nord)zoom
Die coronabedingte erhebliche Reduzierung von Ausbildungsdiensten und Übungen hatte deutliche Auswirkungen auf die Unfallzahlen. (Bild: Christian Heinz / HFUK Nord)

Während es wie in den vergangenen Jahren wieder einen heißen Sommer gab, kam in 2020 die Corona-Pandemie dazu. Übungs- und Schulungsdienste, der Dienstsport und die dienstlichen Veranstaltungen wurden massiv heruntergefahren bzw. zeitweise ausgesetzt. Diese Tätigkeitsbereiche machten bisher ca. die Hälfte aller gemeldeten Unfälle in den letzten Jahren aus. Wie viele Unfälle gab es 2020 in dem Geschäftsgebiet der HFUK Nord im Vergleich zu den Vorjahren? Bei welchen Tätigkeiten lagen jetzt die Unfallschwerpunkte?

Eines muss man der nachfolgenden Darstellung des Unfallgeschehens vorwegnehmen: Durch die Corona-Pandemie kam es in den Feuerwehren zu erheblichen Einschränkungen des Dienstbetriebes. Vorrang hatte allerorten die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft. Nicht nur die Ausbildungsdienste der Einsatzabteilungen fielen reihenweise aus, auch das gesamte Feuerwehrleben inklusive der Nachwuchsarbeit in den Jugend- und Kinderfeuerwehren kam nahezu zum Erliegen. Dies betrifft auch die Veranstaltungen zur Kameradschaftspflege und Öffentlichkeitsarbeit.

Wenn wenig stattfinden kann und darf, sinken die Zeitanteile, in denen die Feuerwehrangehörigen im Dienst verunglücken können. Das bedeutet, dass die Darstellung, die in diesem Beitrag die Unfallzahlen des vergangenen Jahres abbildet, jedoch nicht repräsentativ für das Unfallgeschehen ist, welches üblicherweise unter „normalen Bedingungen“ in den Feuerwehren stattfindet. Eine ähnliche Entwicklung ist auch für das Jahr 2021 zu erwarten, wenn im ersten Halbjahr 2022 die Zahlen für das Vorjahr betrachtet und ausgewertet werden. 

Unfallgeschehen ist zurückgegangen, gestiegene Kosten bei Einsatzunfällen
Erwartungsgemäß sind im Geschäftsgebiet der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord die Unfallzahlen in den Feuerwehren wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie deutlich gesunken. Gemeldet wurden 1.412 Fälle und damit 968 Fälle weniger als im Jahr 2019. Zuständig war die HFUK Nord für 780 Unfälle (Vorjahr: 1.608). Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 828 Unfälle weniger und damit ist die Anzahl um über die Hälfte gesunken. Glücklicherweise war auch im Jahr 2020 kein Todesfall zu verzeichnen.

Mit 418 Unfällen im Rahmen von Einsätzen sind die Unfallzahlen um 34 Unfälle (-7,5 %) ebenso leicht zurückgegangen. Während die Zahl der Unfälle bei der Technischen Hilfeleistung nahezu konstant blieb (2 Unfälle weniger), sind die Unfallzahlen bei der Brandbekämpfung (19 Unfälle weniger) und bei der Abwehr sonstiger Gefahren (13 Unfälle weniger) im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Entwicklung der relativen Verteilung der Unfälle im Geschäftsgebiet der HFUK Nordzoom
Körperschäden nach versicherten Tätigkeiten 2020 HFUK Nordzoom
 

Entwicklung der relativen Verteilung der Unfälle im Geschäftsgebiet der HFUK Nord (Grafiken: HFUK Nord)

 
 

Beim Übungs- und Schulungsdienst waren 66% (-367 Unfälle), beim Dienstsport 63 % (-120 Unfälle) und bei dienstlichen Veranstaltungen sogar fast 91 % (-305 Unfälle) weniger zu verzeichnen.

Wenn man die Kosten für Heilbehandlung und Entschädigung betrachtet, waren die Einsatzdienste erwartungsgemäß überproportional zu den Unfallzahlen stark vertreten. Besonders gilt dies im Zusammenhang mit der Brandbekämpfung und der Technischen Hilfeleistung, während die Abwehr sonstiger Gefahren hinsichtlich der Kosten nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Rechnet man die momentanen Kosten für Unfälle im Rahmen der Brandbekämpfung und der Technischen Hilfeleistung (Einsatzunfälle) zusammen, ergeben sich fast 10 % höhere Kosten (+ 48.000 €) und das trotz der um 5% (-21 Unfälle) gesunkenen Anzahl der Unfälle. Die größten Kosten verursachten hier bisher die Unfälle durch Umknicken, Stolpern und Ausrutschen sowie Verkehrsunfälle, bei denen Feuerwehranghörige bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus oder mit dem Feuerwehrfahrzeug zum Einsatzort unterwegs waren. Auch Unfälle durch das Verfehlen von Trittstufen an Feuerwehrfahrzeugen und das Abrutschen beim Aufsitzen sind hinsichtlich der Kosten auffällig gewesen.

Allerdings können genauere Aussagen erst später getroffen werden, wenn die Kosten für jeden Unfall vollständig bekannt sind bzw. mit den Kostenträgern abgerechnet wurden. Bei langwierigen Verletzungen kann dies mehrere Monate und im Einzelfall auch Jahre dauern.