Studie zum Krebsrisiko: Einsatz bei der Brandbekämpfung als sicher bewertet

06.07.2021

Über das Forschungsprojekt "Biomonitoring von Feuerwehreinsatzkräften bei Realbränden", das vom Fachbereich „Feuerwehren, Hilfeleistungen, Brandschutz“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie dem Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA) durchgeführt wurde, haben wir bereits in der Vergangenheit mehrfach berichtet. Die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord hat an dem Projekt tatkräftig mitgearbeitet.

Feuerwehrleute können bei der Brandbekämpfung einer Vielzahl von krebserzeugenden Gefahrstoffen ausgesetzt sein. (Bild: Christian Heinz / HFUK Nord)zoom
Feuerwehrleute können bei der Brandbekämpfung einer Vielzahl von krebserzeugenden Gefahrstoffen ausgesetzt sein. (Bild: Christian Heinz / HFUK Nord)

Sind Feuerwehrleute durch ihre Tätigkeit einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt? Über das Forschungsprojekt "Biomonitoring von Feuerwehreinsatzkräften bei Realbränden", das vom Fachbereich „Feuerwehren, Hilfeleistungen, Brandschutz“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie dem Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA) durchgeführt wurde, haben wir bereits in der Vergangenheit mehrfach berichtet. Die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord hat an dem Projekt tatkräftig mitgearbeitet.

Feuerwehrleute können bei der Brandbekämpfung einer Vielzahl von krebserzeugenden Gefahrstoffen ausgesetzt sein. Die Gesundheitsrisiken sind nun erstmals in Deutschland systematisch untersucht worden. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Tätigkeit als Feuerwehreinsatzkraft unter den gegenwärtigen Schutzmöglichkeiten, vor allem einer korrekt getragenen Persönlichen Schutzausrüstung, insgesamt als sicher angesehen werden kann. Grundsätzlich ist die Möglichkeit eines individuell erhöhten Krebsrisikos durch die Brandbekämpfung jedoch nicht auszuschließen.

PAK haben unterschiedliche krebserzeugende Wirkung
Brandrauch ist ein Gemisch aus verschiedenen chemischen Stoffen, die je nach Brandort stark variieren. Enthalten sind auch Substanzen aus der Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Sie haben unterschiedliche krebserzeugende Wirkung und werden über die Atmung und die Haut in den Körper aufgenommen.

In Deutschland sind 40.000 hauptamtliche und 1,3 Millionen ehrenamtlichen Feuerwehreinsatzkräfte tätig. Bislang gab es aber keine Erkenntnisse darüber, ob und wenn ja, wie viel von diesen PAK die Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung aufnehmen. Aus diesem Grunde führten das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA), das Institut für Arbeitsschutz (IFA) und der Fachbereich Feuerwehren, Hilfeleistungen, Brandschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ein Forschungsprojekt bei Feuerwehren in Berlin, Bochum und Hamburg durch.

Dabei wurden rund 220 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr sowie Mitarbeitende der Atemschutz- und Schlauchwerkstätten zwischen 2018 und 2020 untersucht. Insgesamt konnten 70 Brandeinsätze dokumentiert werden. An jeweils drei Zeitpunkten nach einem Brandeinsatz wurden Urinproben der Einsatzkräfte gewonnen und auf das PAK Pyren untersucht. Die Studie der DGUV zeigt, dass die Aufnahme von PAK in den Körper von vielen Faktoren während eines Einsatzes abhängt. So ist zum Beispiel die Brandbekämpfung im Inneren von Gebäuden mit starker Rauchentwicklung und bis zum Boden reichender Rauchschicht in der Regel mit einer höheren PAK-Aufnahme verbunden als eine Brandbekämpfung im Freien. Deshalb war in Einzelfällen auch eine erhöhte PAK Aufnahme zu beobachten. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass es sich um zeitlich begrenzte Spitzenbelastungen handelt, die nicht kontinuierlich über die gesamte Dienstzeit bei der Feuerwehr auftreten.

Die Studie hat aber auch gezeigt, dass zum Beispiel korrekt angelegte, funktionsfähige Schutzkleidung sowie das bedarfsgerechte Tragen von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten die Aufnahme von PAK deutlich verringert. Die im Rahmen des Projektes entstandene DGUV Information 205-035 "Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr" gibt Tipps, wie Expositionen gegenüber Gefahrstoffen im Feuerwehrdienst effektiv vermieden werden können. Ein Kurzfilm zeigt, wie die korrekte Hygiene bereits am Einsatzort gewährleistet werden kann.

Die Ergebnisse dieser Studie zur inneren PAK-Belastung von Feuerwehreinsatzkräften bestätigen die Ergebnisse hinsichtlich der PAK-Belastung bereits existierender Studien über Realbrände aus Nordamerika.

Die HFUK Nord hat an den im Rahmen des Projektes erwähnten Veröffentlichungen mitgewirkt und außerdem eine Sammlung mit Beispielen aus der Praxis zur Schwarz-Weiß-Trennung im Feuerwehrhaus innerhalb der Veröffentlichungsreihe „Informationen für den Träger der Feuerwehr“ herausgebracht. Eine Übersicht vieler weiterer Informationen zum Thema „Einsatzhygiene“ bietet die Homepage der HFUK Nord im Bereich „Sicherheit / Gesundheit“ unter dem Fachthema „Hygiene im Feuerwehrdienst“.