Feuerwehrleute teils schwer verletzt: Immer wieder Unfälle mit Einsatzfahrzeugen

19.02.2019

In den vergangenen Monaten ereigneten sich in Deutschland wiederholt Unfälle mit Einsatzfahrzeugen. Auch in dem Geschäftsgebiet der HFUK Nord kam es zum Teil zu schweren Unfällen. Grund genug, die Unfälle genauer zu betrachten und zu vergleichen, Ursachen zu identifizieren und Ableitungen für die Prävention zu treffen.

Foto: Jürgen Kalweit / HFUK Nordzoom
Foto: Jürgen Kalweit / HFUK Nord

In den vergangenen Monaten ereigneten sich in Deutschland wiederholt Unfälle mit Einsatzfahrzeugen. Auch in dem Geschäftsgebiet der HFUK Nord kam es zum Teil zu schweren Unfällen. Grund genug, die Unfälle genauer zu betrachten und zu vergleichen, Ursachen zu identifizieren und Ableitungen für die Prävention zu treffen, um Unfälle in Zukunft zu verhindern oder zumindest deren Auswirkungen zu minimieren.

Die Gründe für die Unfälle sind vielfältig und unterschiedlich, die Auswirkungen jedoch häufig gleich. Die Ereignisse bieten die Möglichkeit, zu vergleichen und zu prüfen, wie sich Verhaltensweisen der Feuerwehrangehörigen, aber auch Training und technische Ausstattung der Fahrzeuge auf die Unfallfolgen auswirken. Eines kann schon vorweg gesagt werden: Viele Unfallfolgen und Verletzungen sind „hausgemacht“ und hätten bei richtigem Verhalten der Insassen zumindest gemildert werden können.

Als häufigste Unfallursachen können folgende Punkte genannt werden:

  • Zu hohe Geschwindigkeit: Das Fahrzeug konnte nicht in allen Verkehrssituationen sicher beherrscht werden. Gerade in Kurven war häufig die Kurvengeschwindigkeit zu hoch. In Folge dessen stürzten Einsatzfahrzeuge um.
  • Von der Fahrbahn abgekommen und auf lockerem Seitenstreifen eingesackt
  • Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechten an Kreuzungen und Einmündungen: Dabei Unfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern im Kreuzungs- bzw. Einmündungsbereich
  • Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer
  • Fahren unter Alkoholeinfluss.

Neben den Ursachen des Unfalls kommen bei einem Unfall noch verletzungsbegünstigende Elemente hinzu. Diese fahrzeugkonstruktiven oder verhaltensbasierten Faktoren führen dazu, dass es im Falle eines Unfalls erst zum Entstehen oder zur Verschlimmerung von Verletzungen kommen konnte.

Fahrsicherheitstraining
Oberstes Ziel sollte es sein, Unfälle gänzlich zu vermeiden. Wie die Unfallursachen zeigen, sind Fahrfehler, Fehlverhalten von Einsatzfahrerinnen bzw. -fahrern oder anderen Verkehrsteilnehmenden die häufigsten Unfallursachen. Fahrsicherheitstrainings können helfen, das Fahrzeug besser zu beherrschen, Situationen besser einschätzen zu können und vor allem die Grenzen der Fahrzeuge und des eigenen fahrerischen Könnens kennenzulernen. Gänzlich werden Unfälle dadurch nicht zu verhindern sein. Unter anderem auch, weil Einsatzfahrerinnen und -fahrer nicht alleine am Straßenverkehr teilnehmen und ständig mit dem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmenden rechnen müssen. Die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining kann jedoch dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden.

Anschnallpflicht
Neben dem Verhindern steht das Minimieren von Auswirkungen der Unfälle im Blickpunkt der Prävention. Leider haben die Unfallauswertungen ergeben, dass die Feuerwehrangehörigen durch ihr Verhalten zum Teil zur Verschlimmerung der Unfallfolgen beigetragen haben.

Kommt es zu einem Unfall, führt die zuständige Feuerwehr-Unfallkasse in der Regel eine Unfallermittlung durch. Ein Gegenstand der Untersuchung ist immer, ob die Insassen angeschnallt waren. Das Ergebnis ist zum Teil erschreckend. Trotz gesetzlicher Anschnallpflicht waren nur wenige Feuerwehrangehörige angeschnallt. Das führte dazu, dass selbst bei einem Unfall, bei dem ein Fahrzeug lediglich im Schritttempo fahrend im lockeren Boden einsackte und umstürzte, acht der neun Insassen zum Teil schwer verletzt wurden. Bis auf den Fahrer lagen alle Insassen auf der rechten Kabinenseite übereinander und verletzten sich dadurch zusätzlich gegenseitig. Gerade bei Fahrzeugüberschlägen kommt es zu gegenseitigen Verletzungen durch Gegeneinanderschlagen von Armen, Beinen, Köpfen und am Körper getragener Ausrüstung.

Als direktes Beispiel zur Minimierung von Unfallfolgen kann im Gegenzug ein Unfall herangezogen werden, bei dem ein Tanklöschfahrzeug mit Angehörigen einer Jugendfeuerwehr als Insassen auf die Seite stürzte. Die Jugendwartin als Fahrerin hatte sich vor der Abfahrt vom korrekten Anlegen der Gurte überzeugt. Nach dem Unfall kletterten die Insassen lediglich mit Prellmarken der Gurte und leichten Schnittverletzungen durch die geborstenen Seitenscheiben leicht verletzt aus dem Fahrzeug.

Die allseits bekannte Erkenntnis, dass Gurte Unfallfolgen minimieren, wurde somit bestätigt.

Alle Insassen eines Feuerwehrfahrzeuges haben sich an Sitzen, an denen auch Gurte vorhanden sind, anzuschnallen. Ausnahmen für die Feuerwehr gibt es nicht. Der Fahrer oder die Fahrerin sollten sich als Fahrzeugführer vor Fahrtantritt davon überzeugen, dass alle angeschnallt sind.

Sicherheitsgurte trotz Atemschutz anlegen
Als häufiges Argument gegen das Anlegen von Gurten bei Atemschutzgeräteträgerinnen und -trägern wird vorgebracht, dass es entweder nicht funktioniert oder die Bebänderung der Atemschutzgeräte als Rückhalteeinrichtung ausreicht. Beides ist falsch. Richtig ist, dass bei Sitzen entgegen der Fahrtrichtung des Fahrzeugs nicht zwingend Gurte verbaut sein müssen. Viele Aufbauhersteller bieten jedoch auch hierfür Gurte an. Sitze in Fahrtrichtung müssen mit Rückhalteeinrichtungen versehen sein, auch an den Plätzen, die mit Atemschutzgeräten ausgestattet sind. Die Bebänderung und auch die Halterungen der Atemschutzgeräte sind nicht geeignet, die Kräfte eines Unfalls aufzunehmen. Bei Unfällen, bei denen die Fahrzeuge umgestürzt sind oder sich überschlagen haben, sind jeweils die Atemschutzgeräte aus der Halterung gerutscht und haben für zusätzliche, teils schwere Verletzungen gesorgt.

Helm im Fahrzeug
Ein häufiger Diskussionspunkt ist, ob im Feuerwehrfahrzeug der Helm getragen wird oder nicht. Der Helm ist Bestandteil der Ladung und somit zu sichern. Gerade bei Unfällen wird der Helm schnell zu einem Geschoß. Maschinisten legen den Helm auch gern auf das Armaturenbrett. Schilderungen von Beinahe-Unfällen zeigen, dass der Helm sich schnell zwischen Lenkrad und Armaturenbrett verkeilt oder in den Fußraum fällt und die Bedienung der Pedale verhindert.

Richtig ist, dass der Helm bei einem Unfall eine zusätzliche Belastung der Halswirbelsäule darstellt. Im Gegenzug schützt er aber auch den Kopf bei einem Anprall gegen Fahrzeugteile.

Unfallermittlungen haben ergeben, dass umherfliegende Helme für zusätzliche Verletzungen gesorgt haben, getragene Helme wiederum Schäden verhindert haben.

Der Helm sollte daher auf dem Kopf gegen umherfliegen „gesichert“ werden. Alternativ kann er auf Helmhalterungen oder in Helmfächern gelagert werden. Diese Einrichtungen sind jedoch in den Fahrzeugen häufig nicht vorhanden.

Da der Helm den Fahrer unter Umständen in seiner Geräuschwahrnehmung und im Sichtfeld beeinträchtigt, darf der Fahrer den Helm abnehmen, muss ihn aber ebenfalls gegen Umherfliegen sichern.

Ladungstransport in der Mannschaftskabine

In der Mannschaftskabine darf kein Ladungstransport erfolgen. (Foto: Dirk Rixen / HFUK Nord)zoom
In der Mannschaftskabine darf kein Ladungstransport erfolgen. (Foto: Dirk Rixen / HFUK Nord)

Nach dem Einsatz folgt häufig die Frage, wohin mit dem gebrauchten Einsatzmaterial. Um die Geräteräume nicht zu verschmutzen, werden daher die Mannschaftskabinen gern als Ladefläche benutzt. Neben den Problemen hinsichtlich Hygiene und Kontaminationsverschleppung ist die Mannschaftskabine aufgrund der fehlenden Ladungssicherung der denkbar schlechteste Ort für den Transport von Schläuchen, Armaturen, leeren Atemluftflaschen usw. Bei einem Unfall werden diese zu gefährlichen Geschossen. In der Mannschaftskabine darf daher kein Ladungstransport erfolgen.

Auch wenn die gesetzlichen Vorgaben allen bekannt sind, glauben Feuerwehrangehörige manchmal, dass diese für die Feuerwehr keine Gültigkeit haben. Die Vorgaben aus staatlichem und UVV-Recht dienen nicht der Schikane der Feuerwehrangehörigen, sondern der Sicherheit. Unternehmer (Stadt bzw. Gemeinde als Träger des Brandschutzes) und Feuerwehrangehörige, von der Führungskraft bis zu den Fahrzeugführenden – alle sind gefragt, wenn es um die Sicherheit im Umgang mit den Feuerwehrfahrzeugen geht. Alle tragen ihren Teil der Verantwortung für Mannschaft und Gerät – und haben gegebenenfalls bei einem Unfall auch die rechtlichen Folgen zu tragen.

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