Neue Fälle bei FUK-CIRS: Keine Verbindung zum Atemschutztrupp - Mit Motorsäge ins Bein gesägt

18.09.2018

An dieser Stelle wollen wir Feuerwehrangehörige über Beinahe-Unfälle aus dem Erfassungssystem "FUK-CIRS" informieren und sie somit vor denselben Fehlern bewahren.

FUK-CIRS

Das Erfassungssystem der Feuerwehr-Unfallkassen für Beinahe-Unfälle „FUK-CIRS“ schildert brenzlige Situationen aus dem Feuerwehrdienst, die durchaus zu Unfällen bei Feuerwehrangehörigen hätten führen können. An dieser Stelle wollen wir andere Feuerwehren über solche Fälle informieren und vor denselben Fehlern bewahren. Die eingestellten Fälle sind in Kategorien eingeteilt, so dass die Suche erleichtert wird. Damit können die Fälle besser gesichtet und für Schulungen oder Unterweisungen themenbezogen eingesetzt werden. Ein Fachkommentar der Feuerwehr-Unfallkassen zu jedem Einzelfall komplettiert die Schilderungen und erläutert entsprechende Unfallverhütungsmaßnahmen.

1. Fall: Vergessenes Funkgerät
In der Gemeinde wird der Einsatzstellenfunk zweigleisig durchgeführt. D.h. die Atemschutztrupps funken im analogen 2m-Funk, der Rest der Einsatzstelle im DMO-Betrieb im Digitalfunk. Der Gruppenführer vergaß, ein analoges Funkgerät mitzunehmen und hatte daher keinen Funkkontakt zu seinen unter Atemschutz eingesetzten Trupps.

Fachkommentar
Eine einwandfreie Funkverbindung zum Angriffstrupp ist bei der Innenbrandbekämpfung ein unbedingt notwendiges Erfordernis. Fehlender Funkkontakt hat im Regelfall den Rückzug des Angriffstrupps zur Folge.

Es ist hilfreich, den gesamten Funk eingleisig, also nur im digitalen Bereich oder nur analog durchzuführen. Dann kann dieser geschilderte Fehler nicht passieren. Die Einführung der Digitaltechnik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass „Kinderkrankheiten“ überwunden sein sollten und geeignete Maßnahmen eingeführt sind, um die Funkgeräte auch in Gebäuden sicher zu nutzen.

Die Führungskräfte und die Einsatzkräfte sind im Umgang mit der digitalen Funktechnik umfassend zu schulen.

2. Fall: Fehlende Rückweiche bei Baumfällung

Motorsägenarbeiten zählen zu den gefährlichen Tätigkeiten. (Foto: Christian Heinz / HFUK Nord)zoom
Motorsägenarbeiten zählen zu den gefährlichen Tätigkeiten. (Foto: Christian Heinz / HFUK Nord)

Ein Baum drohte nach dem Sturm zu kippen und musste mit der Motorkettensäge (MKS) gefällt werden. Als der Baum anfing zu fallen, wich der MKS-Führer nach hinten zurück, stolperte dabei über Äste in der Rückweiche (stürzte aber nicht) und schnitt sich mit der noch laufenden Säge im Kniebereich in die Schnittschutzhose.

Fachkommentar
Der Umgang mit der Motorkettensäge zählt zu den gefährlichen Tätigkeiten. Zum einen gehen erhebliche Gefahren von der Kette selbst aus. Der Bediener kann sich damit in das Bein oder den Fuß sägen. Zum anderen entstehen große Gefahren durch kippende Bäume, aufreißende Stämme oder herabfallende Äste.

In solchen Situationen ist es neben dem Tragen der erforderlichen Schutzausrüstung von besonderer Bedeutung, dass der Sägenführer auch fachlich in der Lage ist, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Zu den fachlichen Kenntnissen gehört die Ausbildung nach landesspezifischen Regelungen oder, wenn diese nicht existieren, entsprechend DGUV Information 214-059 „Ausbildung für Arbeiten mit der Motorsäge und die Durchführung von Baumarbeiten“.

Wer entsprechend ausgebildet ist, weiß, dass er vor Beginn der Sägearbeiten für entsprechende Rückweichen sorgen muss, um im Gefahrenfall schnell und sicher beiseite laufen zu können.

Zuvor sollte allerdings abgewogen werden, ob es nicht besser und möglich wäre, diese Tätigkeit durch eine Fachfirma erledigen zu lassen. Bis diese tätig wird, reicht oftmals eine Sicherung des Gefahrenbereiches.

Die zur Verfügung gestellte Schutzausrüstung muss vollständig und in Ordnung sein. Sie darf nicht durch Beschädigung in ihrer Schutzwirkung beeinträchtigt sein.

www.fuk-cirs.de
Diese und viele weitere Fälle aus vielen verschiedenen Bereichen des Feuerwehrdienstes können auf der Internet- Plattform www.fuk-cirs.de nachgelesen werden. Alle Feuerwehrangehörigen sind eingeladen, selbst erlebte oder beobachtete kritische Situationen zu melden, damit alle anderen daraus lernen können und letztendlich Unfälle vermieden werden. Die Meldungen erfolgen grundsätzlich anonymisiert, d.h. ein Rückschluss auf die jeweilige Wehr oder deren meldende Personen ist ausgeschlossen.

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