6. HFUK-Kommunalforum: "Wir machen das!"

27.11.2018

Rund 165 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Feuerwehren und Kommunalverwaltungen nahmen am 8. und 9. November 2018 am 6. Kommunalforum der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord in Lübeck teil.

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Foto: Holger Bauer

Rund 165 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Feuerwehren und Kommunalverwaltungen nahmen am 8. und 9. November 2018 am 6. Kommunalforum der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord (HFUK Nord) in Lübeck teil. Das hauptsächlich aus Leitungs- und Führungskräften der Städte, Gemeinden und Feuerwehren bestehende Publikum kam nicht nur aus dem gesamten Geschäftsbereich der HFUK Nord in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein, sondern auch aus anderen Bundesländern. Bereits seit zehn Jahren bringt die HFUK Nord die wichtigsten Themen den Verantwortungsträgern in den Kommunen alle zwei Jahre in der Tagungsreihe „HFUK-Kommunalforum“ näher. 

Das 6. Kommunalforum der HFUK Nord war bereits Monate vor der Tagung ausgebucht. Da Themen wie Arbeitsschutz im Feuerwehrdienst und die Rehabilitation nach Unfällen nicht immer so viel Begeisterung und großes Interesse hervorrufen, war der Ansturm auf die Veranstaltung umso erfreulicher für die Organisatoren der HFUK Nord.

In seiner Eröffnungsrede ging Armin Schack, Vorsitzender der Vertreterversammlung der HFUK Nord, auf die Bedeutung der Fachtagung ein, die erstmals 2008 stattfand. Dabei hob er, gerichtet an die politischen Entscheidungsträger auf Bundesebene, die Bedeutung der sozialen Absicherung von Einsatzkräften in den Feuerwehren hervor, die die HFUK Nord beispielhaft umsetzt.

Das Input-Referat des 6. HFUK-Kommunalforums hielt Christoph Kotthaus vom Forschungsprojekt „KOKOS“ der Universität Siegen. Er stellte vor, wie die Herausforderung der Koordinierung von freiwilligen Spontanhelferinnen und -helfern gemeistert wird, die sich ungebunden und oftmals in großer Zahl z.B. bei Naturkatastrophen zusammenfinden und ihre Hilfe anbieten. In seinem Vortrag zeigte er Lösungsmöglichkeiten auf, wie unter Nutzung digitaler Infrastruktur und der Einbindung von Mittlerorganisationen diese Helferinnen und Helfer zu wichtigen Personalressourcen gemacht werden können – ein wichtiger „Blick über den Tellerrand“, vor allem für die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen.

Praxisnahe Unterstützung vor Ort
Eine neue Online-Software für die Gefährdungsbeurteilung in den Feuerwehren wurde durch Jürgen Kalweit, leitende Aufsichtsperson der HFUK Nord, vorgestellt. Mit dem Programm, das für die Städte und Gemeinden im Geschäftsgebiet der HFUK Nord kostenlos ist, lässt sich eine Gefährdungsbeurteilung für die Feuerwehr unkompliziert, sicher und praxisnah erstellen. Das Programm steht ab diesem Jahr zur Verfügung.

Ulf Heller, Aufsichtsperson der HFUK Nord, ging in seinem Vortrag auf die Belastungen der Einsatzkräfte und die steigende Anzahl von anerkannten Arbeitsunfällen infolge posttraumatischer Belastungsstörungen ein. Er erläuterte die Notwendigkeit einer Gefährdungsbeurteilung auch für den Bereich der psychischen Belastungen im Feuerwehrdienst und kündigte gleichzeitig eine Unterweisungshilfe an, die demnächst von der HFUK Nord zum diesem Thema herausgegeben wird und bei der Ausbildung in den Feuerwehren vor Ort unterstützen soll.

Praxisnah und mit vielen Beispielen aus der Besichtigungstätigkeit der HFUK Nord in den Feuerwehren vor Ort versehen, referierte Dirk Rixen, ebenfalls Aufsichtsperson der HFUK, über die sicherheitsgerechte Bauplanung von Feuerwehrhäusern. Häufig kommt es vor, dass Planungsfehler in der Anfangsphase von Bauvorhaben später zu teuren Kosten für die Träger der Feuerwehren führen, wenn der Arbeitsschutz nicht berücksichtigt wurde. In seinem Vortrag zeigte Dirk Rixen auf, wie die HFUK Nord einen wichtigen Beitrag dazu leistet, diese Fehler zu vermeiden: Indem die Feuerwehr-Unfallkasse vom Bauherren von Anfang an in die Planung eingebunden wird. Die Bauberatung der HFUK Nord ist für die Städte und Gemeinden kostenlos.

Gesundheit der Feuerwehrangehörigen im Fokus
Die Gesundheit der Einsatzkräfte stellte der Referent für gesundheitliche Prävention der HFUK Nord, Jens-Oliver Mohr, in seinem Vortrag in den Fokus und erläuterte insbesondere das Präventionsprogramm „FitForFire“ der HFUK Nord. Das Programm beinhaltet zahlreiche Maßnahmen zur gesundheitlichen Prävention, zu denen Kurse, Seminare und Schulungen zählen sowie Begleitmedien wie die Leitfäden „Feuerwehrsport“, „Sport in der Jugendfeuerwehr“ und weitere Infoschriften. Mohr plädierte dafür, den Aspekt der Gesundheit der Feuerwehrangehörigen immer in den Mittelpunkt zu stellen und zu einem Leitbild in den Feuerwehren werden zu lassen.

Auf die Organisation der Ersten-Hilfe-Ausbildung in den Freiwilligen Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern ging Dr. med. Patricia Bunke, Landesfeuerwehrärztin des LFV Mecklenburg-Vorpommern, ein. In ihrem praxisorientierten Vortrag zeigte Patricia Bunke auf, wie das feuerwehrspezifische Konzept der Erste-Hilfe-Ausbildung im Land Mecklenburg-Vorpommern in den Wehren umgesetzt wird und so zu einem verbesserten Ausbildungsstand führen soll.

Florian Strube vom Sachgebiet „Leistungen“ der HFUK Nord zeigte in seinem Referat Beispielfälle zu den Grenzen des Versicherungsschutzes auf. In Zeiten, in denen die Feuerwehr zwar gerne als „Mädchen für alles“ gesehen und herangezogen wird, ergeben sich durchaus Problemstellungen. Diese treten besonders immer dann auf, wenn Tätigkeiten der Feuerwehrangehörigen nicht zum originären Aufgabengebiet der Wehren gehören.

Leistungen nach einem Unfall im kritischen Blick
Die Geschäftsführerin der HFUK Nord, Gabriela Kirstein, setzte sich in ihrem Vortrag mit der Fragestellung auseinander, ob die Regelungen des SGB VII noch maßgeschneidert für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute sind. Besonders kritisch wurde dabei der Umstand betrachtet, dass hinterbliebene Lebenspartnerinnen und –partner finanziell leer ausgehen, wenn Feuerwehrangehörige im Dienst ums Leben kommen und keine gesetzmäßige Ehe oder Lebenspartnerschaft vorgelegen haben. Die HFUK Nord ist seit Jahren bestrebt, gemeinsam mit den Landesfeuerwehrverbänden eine Lösung für dieses Problem zu finden. Bisher scheiterten die Bemühungen jedoch an der ablehnenden Haltung der Aufsichtsbehörde. Gabriela Kirstein zeigte weitere, alternative Ansätze zur Verbesserung der Leistungen auf, die ebenfalls geprüft werden. 

Bei der Prüfung der Unfallkausalität geht es darum, ob ein Feuerwehrangehöriger im Dienst bei einer versicherten Tätigkeit einen Unfall erlitten hat – und ob ein vorliegender Gesundheitsschaden Folge dessen ist. Diese Zusammenhänge brachte Ilona Matthiesen, Leiterin des Sachgebietes „Leistungen“ der HFUK, den Anwesenden näher. Anhand von Fallbeispielen zeigte sie die bestehenden Rechtsgrundlagen auf und stellte klar, dass es sehr wenige Fälle sind, bei denen ein Arbeitsunfall abgelehnt werden muss, weil der Feuerwehrdienst nicht unfallursächlich für den Gesundheitsschaden war.

Als Facharzt für Arbeitsmedizin trug Rolf Hartmann die Bedeutung von Herz-Kreislauferkrankungen für die Leistungsfähigkeit im Feuerwehrdienst vor. In seinem Beitrag zeigte er die wichtigsten Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und bewertete sie unter arbeitsmedizinischen Gesichtspunkten, gerade auch in Bezug auf die qualifizierte Durchführung der Eignungsuntersuchungen für den Feuerwehrdienst.

Nicht unfallbedingte Gesundheitsschäden – eine erste Bilanz
Daran anschließend zog Stefan Eibisch aus dem Sachgebiet „Leistungen“ der HFUK Nord eine erste Bilanz zur Entschädigung nicht-unfallbedingter Gesundheitsschäden, mit der die Kommunen seit 2015 die HFUK Nord beauftragen können. Im Zeitraum 2015 bis 2016 wurden 27 Fälle entschädigt; hierbei wurden rund 62.000 Euro ausgezahlt. In Schleswig-Holstein beteiligen sich ca. 82% und in Mecklenburg-Vorpommern etwa 75% der Kommunen an dieser Zusatzversicherung. Die Freie und Hansestadt Hamburg nimmt ebenfalls teil.

In einem Exkurs zeigte Holger Bauer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im LFV Schleswig-Holstein, abschließend mögliche Maßnahmen der Mitgliedergewinnung in den Freiwilligen Feuerwehren auf.

Olaf Plambeck, Vorstandsvorsitzender der HFUK, zog eine positive Bilanz aus der zweitägigen Fachtagung. In seinen Abschlussworten hob er die Bedeutung der Veranstaltung für die kommunalen Partner hervor und dankte den Organisatoren für eine rundum gelungene Veranstaltung.

Termine stehen fest
Im Jahr 2019 wird das 8. FUK-Forum „Sicherheit“ in Hamburg von der Kooperationsgemeinschaft der Feuerwehr-Unfallkassen Nord, Mitte und Brandenburg unter Federführung der HFUK Nord vom 2.-3. Dezember 2019 in Hamburg ausgerichtet.

Der Termin für das nächste 7. HFUK-Kommunalforum steht ebenfalls fest:  Es wird vom 5.-6. November 2020 in Lübeck stattfinden.

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