FUK-CIRS: Datenbank für Beinahe-Unfälle

27.02.2018

FUK-CIRS ist die Datenbank der Feuerwehr-Unfallkassen zur Erfassung von Beinahe-Unfällen im Feuerwehrdienst. Wir stellen zwei neue Fälle vor.

FUK CIRS

Wie an den auf der Internet-Plattform eingehenden Schilderungen erkennbar ist, gibt es in allen Bereichen des Feuerwehrdienstes Situationen, die fast einen Unfall bzw. einen Unfall ohne nennenswerte Schäden zur Folge haben. FUK CIRS soll dabei helfen, solche brenzligen Situationen und die unter Umständen daraus resultierenden körperlichen Schäden zu vermeiden. Daher möchten wir wieder auf das Erfassungssystem der Feuerwehr-Unfallkassen für Beinahe-Unfälle hinweisen und zwei eingereichte Fallbeispiele vorstellen.

1. Beispiel: Verkehr beim Aussteigen beachten
Ereignis: Nach dem Dienst wurden die Mitglieder der Jugendfeuerwehr nach Hause gefahren. Der Fahrer hielt am rechten Straßenrand, um einige Mitglieder aus dem Auto zu lassen. Dabei öffnete ein Mitglied, welches hinten links im Auto saß, sofort bei Fahrzeugstillstand die Tür und wollte aussteigen. Ein in dem Moment überholender PKW konnte eine Kollision gerade noch verhindern.

Kommentar des FUK-CIRS-Fachbeirates: Das plötzliche Öffnen der Tür ist bei Kindern und Jugendlichen leider nicht ganz auszuschließen, da deren Gefahrenbewusstsein noch nicht vollständig ausgeprägt ist und sie auf äußere Reize (z.B. Freund oder Verwandte auf der anderen Straßenseite) sehr impulsiv reagieren. Sofern das benutzte Fahrzeug über eine Kindersicherung an den Türen verfügt, sollte man diese in solchen Situationen benutzen (und danach für die Einsatzfahrt wieder deaktivieren, um die Einsatzbereitschaft zu erhalten).

Zusätzlich kann man versuchen, das Verhalten der Kinder und Jugendlichen in einem Feuerwehrfahrzeug generell zu beeinflussen und entsprechend zu unterweisen („Hier wird erst abgesessen, wenn der Befehl dazu kommt“). Da die Kinder und Jugendlichen wie die „Großen“ bei der Feuerwehr dabei sein wollen, sind sie hier relativ leicht beeinflussbar. Dies muss natürlich durch vorbildliches Verhalten vorgelebt werden. Steht eine Kindersicherung nicht zur Verfügung oder sind die Kinder und Jugendlichen noch zu neu bei der Jugendfeuerwehr, um entsprechendes Verhalten zu verinnerlichen, kann man die Türsitzplätze auch durch Erwachsene besetzen. Somit ist gewährleistet, dass die Kinder und Jugendlichen erst aussteigen können, wenn die Betreuungsperson selbst ausgestiegen ist.

2. Beispiel: Beschädigung der Mitteldruckleitung
Ereignis: Vermutlich bei der Nachbereitung nach einem Einsatz wurde die Mitteldruckleitung eines Pressluftatmers in der klappbaren Sitzbank in der Mannschaftskabine eines Löschgruppenfahrzeuges LF 8/6 zwischen der Sitzplatte und der Abtrennung zur Motorabdeckung eingeklemmt. In der Folge wurde die Mitteldruckleitung an zwei Stellen stark gequetscht. Diese erheblich mechanisch beschädigte Mitteldruckleitung hätte ausgehend von dem anstehenden Druck in der Leitung von ca. 6 bar bei der Verkettung unglücklicher Umstände zum Versagen der Leitung in Form eines Risses oder anderer Leckage führen können. Die Folge hätte je nach Nutzung des Pressluftatmers eine ernsthafte Situation werden können. Insbesondere bei einem Brandeinsatz hätte dies zu einem schwerwiegenden Atemschutznotfall/-unfall mit dramatischen Folgen, wie Verletzung oder gar Tod des Atemschutzgeräteträgers, führen können.

Wenn man hier beim Verladen der Pressluftatmer nicht aufpasst, kann die Mitteldruckleitung schwer beschädigt werden. (Foto: HFUK Nord / Martin Schulze)zoom
Wenn man hier beim Verladen der Pressluftatmer nicht aufpasst, kann die Mitteldruckleitung schwer beschädigt werden. (Foto: HFUK Nord / Martin Schulze)

Kommentar des FUK-CIRS-Fachbeirates: Beim Verlasten der Ausrüstung auf das Fahrzeug ist darauf zu achten, dass alles fest verstaut ist. Gerade bei Atemschutzgeräten sind viele Teile (Bänderung, Hochdruckleitung mit Manometer, Mitteldruckleitung mit Lungenautomat) beweglich und können relativ weit vom Grundgerät weggezogen werden. Sie müssen in der Halterung unbedingt mit zusätzlichen Haltegurten gesichert werden.

Außerdem ist darauf zu achten, dass keine Teile der Ausrüstungen und Geräte im Bewegungsbereich sind, wenn sich bewegliche Teile oder bewegliche Lagerungen (Auszüge, Schwenkwände, etc.) in der Nähe befinden. Sie könnten dort eingeklemmt werden, was einerseits zu einer Beschädigung des Gegenstands selbst führen kann, aber auch zur Folge haben kann, dass die bewegliche Lagerung nicht vollständig arretiert und sich während der Fahrt wieder löst.Insbesondere nach Einsätzen, bei denen viele Ausrüstungen und Geräte entnommen wurden und wieder verstaut werden mussten, ist auf benachbarte Halterungen zu achten.

Diese und viele weitere Fallbeispiele aus allen möglichen Bereichen des Feuerwehrdienstes können auf der Plattform www.fuk-cirs.de nachgelesen werden. Selbstverständlich sind auch alle Feuerwehrangehörigen dazu eingeladen, selbsterlebte oder beobachtete Situationen zu melden, damit alle anderen daraus lernen können und Unfälle vermieden werden. Die Meldungen erfolgen grundsätzlich anonymisiert, d.h. ein Rückschluss auf eine jeweilige Wehr oder Personen ist ausgeschlossen.

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