Unfallverhütung in der Kinderfeuerwehr: Sicherheit für die Jüngsten

19.10.2015

Die Sicherheit darf bei der Kinderfeuerwehr auf keinen Fall zu kurz kommen – Unfallverhütung in der Kinderfeuerwehr muss einen hohen Stellenwert haben. Da es sich um eine ganz spezielle Zielgruppe innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr handelt, gibt es einige Besonderheiten, auf die wir im Folgenden eingehen möchten.

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Was vor einigen Jahren noch Ausnahme war, ist mittlerweile weit verbreitet: Kinder „erobern“ als Mitglieder die Feuerwehren.

Im Rahmen der Nachwuchsarbeit wurden die sogenannten Kinderabteilungen bzw. -gruppen oder Kinderfeuerwehren gegründet. Durch das frühe Heranführen an die Freiwillige Feuerwehr soll ein gewisser „Klebeeffekt“ erzeugt werden, der dazu führt, dass die Kinder langfristig gebunden werden. Je früher mit der Nachwuchsarbeit begonnen wird, desto verwurzelter ist der Nachwuchs in der eigenen Wehr und tritt später in die Jugendfeuerwehr und dann die aktive Wehr über, erhofft man sich.

Kinderfeuerwehren auf dem Vormarsch
Früher war der Zugang zur Freiwilligen Feuerwehr mit einem Mindest-Eintrittsalter von 10 Jahren in die Jugendfeuerwehr strikt reglementiert. Mittlerweile sind in den Brandschutzgesetzen vieler Bundesländer die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden, Kinder jüngeren Alters in die Wehren aufzunehmen. Seitdem wurden bereits viele Kinderfeuerwehren gegründet. Die Tendenz ist nach wie vor steigend: Zum Jahresbeginn trat in Schleswig-Holstein eine Änderung des Brandschutzgesetzes in Kraft. Nun besteht auch in diesem Bundesland die rechtliche Voraussetzung zur Gründung von Kinderabteilungen in den Feuerwehren. Mit einer weiteren Zunahme der Kindergruppen ist also zu rechnen.

Das Engagement in den Kinderfeuerwehren ist vielerorts beachtenswert. Mit Ideenreichtum und Hingabe widmen sich die Betreuerinnen und Betreuer der Ausgestaltung der Dienste. Den Kindern muss dabei eine besondere Fürsorge zuteil werden: Sie sind in erhöhtem Maße schutzbedürftig, ihre geistigen und körperlichen Voraussetzungen sind andere als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Zudem gibt es bei einer Feuerwehr einige Gefahrenschwerpunkte, die durch die baulichen Gegebenheiten eines Feuerwehrhauses oder die Besonderheiten der Fahrzeuge und Geräte bedingt sind.

Die Sicherheit darf bei der Kinderfeuerwehr auf keinen Fall zu kurz kommen – Unfallverhütung in der Kinderfeuerwehr muss einen hohen Stellenwert haben. Da es sich um eine ganz spezielle Zielgruppe innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr handelt, gibt es einige Besonderheiten, auf die wir im Folgenden eingehen möchten.

Kinderfeuerwehren und -abteilungen sind mittlerweile weit verbreitet.zoom
Kinderfeuerwehren und -abteilungen sind mittlerweile weit verbreitet.

Was muss beachtet werden, um Kinder in die Feuerwehr aufzunehmen?
Die grundsätzliche Regelung, wer in die Freiwilligen Feuerwehren aufgenommen werden darf, obliegt den Bundesländern. Da die gesetzliche Regelung des Brandschutzes Ländersache ist, ist das jeweilige Brandschutz- bzw. Feuerwehrgesetz entscheidend. Neben den Regelungen im Brandschutzgesetz kann es länderspezifische Verordnungen oder Erlasse geben, die die Aufnahme von Kindern in der Feuerwehr und die weiteren Inhalte der Kinderfeuerwehrarbeit regeln. Ausschlaggebend sind also die landesrechtlichen Bestimmungen.

Über diese gesetzlichen Vorschriften wird ebenfalls spezifisch geregelt, ob nun eine Kinderfeuerwehr oder eine Kinderabteilung gegründet werden kann oder ob die Kinder in die Jugendfeuerwehr mit aufgenommen werden können. Zudem wird in der Regel das Mindest-Aufnahmealter vorgegeben, in den meisten Fällen 6 Jahre bzw. der Schulbesuch der ersten Klasse.

Träger des Brandschutzes entscheidet
Träger des Brandschutzes ist die Stadt bzw. die Gemeinde. Grundsätzlich hat der Träger des Brandschutzes darüber zu entscheiden, welche Abteilungen innerhalb der Freiwilligen bestehen bzw. neu gegründet werden. Sollte also eine Kinderfeuerwehr bzw. -abteilung angestrebt werden, so muss die Stadt bzw. Gemeinde ihren Willen dazu bekunden. Dies geschieht z.B. durch einen entsprechenden Beschluss des Gemeinde- bzw. Stadtrates. Das ist auch deshalb wichtig, da die Stadt bzw. Gemeinde im Recht der Gesetzlichen Unfallversicherung als Unternehmer gilt. Aus der Willensbekundung des Unternehmers zur Kinderfeuerwehr begründet sich letztendlich der Unfallversicherungsschutz für diese Personengruppe. Zudem ist nach der Gründung einer Kinderfeuerwehr mit Folgekosten, auch für den Träger des Brandschutzes, zu rechnen. Um Missverständnisse beim Unfallversicherungsschutz und auflaufende Kosten von vornherein zu vermeiden, ist die Stadt bzw. Gemeinde in die Planungen einzubeziehen.

Unfallversicherungsschutz
Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren sind nach den Vorgaben des Siebten Buches – Sozialgesetzbuch (SGB VII) gesetzlich unfallversichert. Dies gilt auch für die Mitglieder der Kinderfeuerwehren bzw. –abteilungen. Voraussetzung ist, wie bereits beschrieben, dass der Träger der Feuerwehr der Einrichtung einer Kinderfeuerwehr zugestimmt hat. Der Unfallversicherungsschutz für die Mitglieder erstreckt sich auch auf den direkten Weg zum und vom Dienst der Kinderfeuerwehr.

Je nach Altersstufe haben Kinder ein unterschiedlich entwickeltes Gefahrenbewusstsein.zoom
Je nach Altersstufe haben Kinder ein unterschiedlich entwickeltes Gefahrenbewusstsein.

Die Sicherheitsbeauftragten und Gefahrenbewusstsein
Die Sicherheitsbeauftragten der Feuerwehren sind neben der Einsatzabteilung auch für die anderen Abteilungen, wie Jugendfeuerwehr und Kinderfeuerwehr zuständig – auch wenn es für Sicherheitsbeauftragte diesbezüglich keine Fortbildung gibt. Sicherheitsbeauftrage werden innerhalb der Kinderfeuerwehr keine Unterweisungen geben, aber sie sollten sich mit den Betreuern der Kinderfeuerwehr über sicherheitstechnische Fragen auseinandersetzen. Wichtig ist es, auf die Kinder altersgerecht zu reagieren, da sich auch das Gefahrenbewusstsein bei Kindern erst langsam entwickelt.

Als ungefähre Anhaltspunkte zur Entwicklung des Gefahrenbewusstseins von Kindern können diese Werte dienen:

  • Ca. 5 – 6 Jahre, Kinder können akute Gefahren erkennen. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich davor auch schützen können.
  • Ab ca. 8 Jahre, Kinder lernen nun allmählich, Gefahren vorausschauend zu erkennen.
  • Ab ca. 9 – 10 Jahre, Kinder beginnen, ein vorbeugendes Gefahrenbewusstsein zu entwickeln.
  • Ca. 14 Jahre, meist wird in diesem Alter ein vorausschauendes und vorbeugendes Gefahrenbewusstsein umgesetzt.

Daraus lässt sich auch eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Aufsichtspflicht ableiten.

Kinderfeuerwehren im Feuerwehrhaus
Gleich zu Beginn sollte geklärt sein, wenn die Kinderfeuerwehr im Feuerwehrhaus Tätigkeiten wahrnimmt, welche Verhaltensgrundsätze zum Tragen kommen. Hoffentlich wird niemand auf die Idee kommen, während der Aktivitäten der Kinderfeuerwehr im Feuerwehrhaus alle Feuerwehrfahrzeuge abzuschließen und die Schlüssel an einem sicheren Ort zu verwahren. Die Fahrzeuge müssen einsatzbereit bleiben und die Kinderfeuerwehr muss klare Verhaltensregeln aufstellen, wie vorgegangen wird, wenn während des Kinderfeuerwehrdienstes ein Alarm aufläuft. Im Vorwege der Aktivitäten muss das Feuerwehrhaus mit all seinen Räumen und Ecken kritisch nach Gefahrenquellen abgegangen werden. Sei es der Werkstattbereich mit Maschinen und Gefahrstoffen oder Lagerbereiche mit ungesicherten Geräten und Ausrüstungsteilen. Auch die Fahrzeughalle kann durch Materialien in Verkehrswegen oder eine hervorstehende und ungesicherte Anhängerkupplung eine Gefährdung werden. Gläserne Vitrinen mit Exponaten oder Pokalen stehen in den Feuerwehrhäusern gerne in den Fluren oder Sozialräumen und können ebenfalls eine Gefahr darstellen.

Eine Betrachtung des Gebäudes und der Einrichtung aus der Kinderperspektive heraus kann dabei eine ganz neue Erfahrung sein. Auch ein Augenmerk auf Treppenhäuser mit Geländer und Handlauf zu werfen, ist wichtig. Durch ungeeignete Handlaufhöhen und zu große Zwischenräume im Geländer können dort Gefahren lauern.

Ein Treppenhaus im Feuerwehrhaus kann Gefahren für kleinere Kinder bergen.zoom
Ein Treppenhaus im Feuerwehrhaus kann Gefahren für kleinere Kinder bergen.

Nun ist es nicht notwendig, vor den Kindern alles wegzuschließen oder den Zutritt zu Räumen zu versperren, aber in manchen Situationen auf dem Gelände der Feuerwehr sollten die Betreuer lieber den Weg der Kinder begleiten. Die jüngsten Mitglieder der Kinderfeuerwehren sind häufig auch Verkehrsanfänger. Daher gehören Gedanken zur Sicherung des Geländes der Feuerwehren vor dem Straßenverkehr mit zu den Überlegungen der Betreuer, wie auch die Organisation des Bringens und Holens der Kinder durch ihre Eltern und Angehörigen. 

Bewegungslust von Kindern
Ein zentrales Merkmal der Kindheit ist die ausgeprägte Bewegungslust und damit eine gute motorische Lernfähigkeit. Es liegt daher nahe, dass Bewegung ein zentrales Medium der Erziehung und Bildung in diesem Alter sein sollte. Innerhalb des Kinderfeuerwehrdienstes ist es also wichtig, die Aktivitäten entsprechend zu gestalten, um der Bewegungslust der Kinder nachkommen zu können.

PSA, schwere Geräte und Arbeiten mit Wasser
Keinesfalls sollten die Fahrzeuge oder Ausrüstungsgegenstände der Feuerwehrfahrzeuge tabu sein. Nur sind die Mitglieder der Kinderfeuerwehr nicht die Miniausgabe der Jugendfeuerwehr. Daher benötigen sie auch keine Persönliche Schutzausrüstung in noch kleineren Größen als in der Jugendfeuerwehr. Eine Kleidung zur Identifikation in der Gruppe und zur Zugehörigkeit zur Feuerwehr ist sicherlich sehr wichtig. Zu gerne würden die Mitglieder der Kinderfeuerwehren gleiche Tätigkeiten wahrnehmen wie die größeren Jugendfeuerwehrleute, doch ist ihre körperliche Leistungsfähigkeit deutlich geringer. Um die Gesundheit von Kindern nicht zu gefährden und ihre körperliche Entwicklung nicht zu beeinträchtigen, gilt die Regelung, dass bis zum vollendeten 13. Lebensjahr maximal 10% des eigenen Körpergewichtes gehoben oder getragen werden dürfen.

Spaß und Freude an praktischen Tätigkeiten sind ein großer Motivationsfaktor für die Kinder. Daher ist das Benutzen von Kübelspritze und der Umgang mit D-Schläuchen und Strahlrohren unter entsprechend intensiver Aufsicht wichtiger Bestandteil des Dienstplanes. Berücksichtigung muss bei den Praxisanteilen immer die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit finden. Die beginnt schon, wenn man schaut, wer die Pumpe der Kübelspritze bedienen darf. Auch die Kleinsten aus den Gruppen können mit Schlauchbrücken, B-Schläuchen oder anderen schweren Gerätschaften der Feuerwehr spielerisch tätig werden und da bei deren Namen und Bedeutung kennen lernen. Natürlich werden diese Dinge nur von den Betreuern aus den Fahrzeugen geholt, transportiert und für die Aktivitäten bereitgestellt.

Mitfahren in Feuerwehrfahrzeugen
Ein riesiges Erlebnis ist es, mit den Feuerwehrfahrzeugen zu fahren. Doch dazu muss erst einmal die teilweise sehr große Höhe von bis zu 60 cm bis zum ersten Auftritt überwunden werden. Aufgrund nicht immer ausreichend vorhandener Haltegriffe und der großen Höhenunterschiede ist das Einsteigen in die Mannschaftsräume der Feuerwehrfahrzeuge nur unter Aufsicht von Betreuern erlaubt. Bei der Fahrt ist es auch notwendig, die Kinder altersgerecht zu sichern, dazu gehören auch Sitzerhöhungen, und an jeder Tür sollte eine Betreuungsperson Platz nehmen.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Entwicklungsstände der Kinder in einer Altersspanne zwischen 6 und 10 Jahren ist es nicht einfach, jedes Kind so zu fordern und zu fördern, wie es gerade nötig wäre. Die Kinder sollen wohlbehütet von der Feuerwehr zurückkehren und daher sind Maßnahmen für den Dienstbetrieb wie oben beschrieben notwendig. Dieser Beitrag soll ein erster Einblick in die Thematik sein. Weitere Informationen können Sie aus unseren unten aufgeführten Medien entnehmen.

Medientipps

Die genannten Medien können über die jeweilig zuständige Geschäftsstelle der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord kostenlos bezogen werden, bzw. stehen für Sie als Download bereit.

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