Es geht wieder los: Allergien im Feuerwehrdienst

05.03.2019

Besonders im Frühjahr kennen viele die Situation: Die Haut juckt, die Augen tränen oder die Nase trieft. Häufig weisen solche Symptome auf eine Allergie hin. Welchen Einfluss haben Allergien als gesundheitliche Einschränkungen im Dienstbetrieb?

Foto: Jens-Oliver Mohr / HFUK Nordzoom
Foto: Jens-Oliver Mohr / HFUK Nord

Allgemein beschreibt Allergie eine übermäßige Reaktion des Immunsystems auf bestimmte, normalerweise harmlose Umweltstoffe bzw. nicht infektiöse Fremdstoffe. Betroffen sind davon ca. 30 % aller Bundesbürgerinnen und Bundesbürger. Mittlerweile ist die Allergiehäufigkeit insgesamt in den vergangenen zehn Jahren deutschlandweit jedoch rückläufig (laut Robert-Koch-Institut).

Allergien werden öfter zu „kleinen Ausfällen“ oder „persönlichen Wehwehchen“ von Außenstehenden heruntergespielt. Dabei sind Allergien vielfältig, dementsprechende Reaktionen reichen von leicht bis heftig und können zu lebensbedrohlichen Umständen führen. Im Wesentlichen konzentrieren sich allergische Reaktionen auf die Atemwege, Haut, Augen, den Magen-Darm-Trakt oder führen zu allgemeinen Reaktionen wie beispielsweise Fieber oder Müdigkeit. Auch die Reaktionszeiten sind unterschiedlich lang und können je nach Allergietyp sofort oder zeitlich verzögert auftreten. Am häufigsten betroffen von allergischen Erkrankungen sind die Atemwege, z.B. bei Asthma bronchiale (Verengung der Atemwege).

Allergien im Einsatzgeschehen
Folglich stellen allergische Reaktionen für betroffene Feuerwehreinsatzkräfte ein Risiko dar, welches mit gesundheitlichen Einschränkungen und möglichen Leistungseinbußen im Feuerwehrdienst verbunden ist. Aufgrund der Bandbreite unterschiedlicher Übungs- und Schulungsformen oder Einsätze stehen Feuerwehrangehörige ständig mit der Umwelt in Kontakt und sind somit unmittelbar verschiedenen externen Faktoren ausgesetzt. Dies bedeutet zugleich ein erhöhtes Risiko für die Auslösung einer allergischen Reaktion, denn schon beim ersten Kontakt mit einer körperfremden Substanz (beispielsweise durch das Einatmen von Schimmelpilzen) kann das Immunsystem mit Entzündungszeichen antworten. Erschwerend kommt hinzu, dass allergische Reaktionen vielfältig sind und sich somit nicht nur auf eine bestimmte Jahreszeit konzentrieren, sondern auch ganzjährig auftreten. An vier praxisnahen Beispielen wird verdeutlicht, welche allergischen Reaktionen im Feuerwehrdienst hervorgerufen werden können:

  • Gräser- oder Blütenpollen: Bei einer Löschübung auf einem Freigelände kommt es durch Kontakt mit Pflanzenpollen (z.B. Gräser- oder Haselnusspollen), die mit dem Wind verbreitet werden, zu einem Heuschnupfen bei einer Einsatzkraft.
  • Tierhaare: Bei einer Tierrettung kommen Einsatzkräfte mit den Tierhaaren unmittelbar in Kontakt, es kommt zu einem Juckreiz und es bilden sich Quaddeln auf der Haut.
  • Lebensmittelunverträglichkeit: Bei der Verpflegung an der Einsatzstelle fehlt die Kennzeichnung von Allergenen und eine Einsatzkraft, die gerade pausiert, bedient sich versehentlich (aber hungrig) an für sie unverträglichen Lebensmitteln (beispielsweise aufgrund von einer Lactose- oder Fructose-Intoleranz) und bekommt Bauchkrämpfe und Durchfall.
  • Insektenstich: Beim Entfernen eines Wespennests wird eine Einsatzkraft von einer Wespe (oder Hornisse) gestochen und erleidet daraufhin eine Atemnot.

Die Auflistung verdeutlicht, dass allergische Reaktionen in verschiedenen Situationen mit unterschiedlichen Schweregraden auftreten können. Kritische Momente sind vor allem jene, wenn die von Allergie betroffene Person „vor Einsatzeifer“ erste allergische Anzeichen ignoriert, weitermacht und damit sich und andere gefährdet.

Atemschutzgeräteträger
Die Verantwortlichkeit, ob sich eine Einsatzkraft zum Tragen von Atemschutz in der Lage fühlt, liegt lt. Feuerwehr-Dienstvorschrift 7 (FwDV 7) bei dem bzw. der Atemschutzgerätetragenden selbst. Fühlt sich die Einsatzkraft hierzu nicht in der Lage, muss sie dies der zuständigen Führungskraft mitteilen. Gesundheitliche Bedenken können also ein Ausschlussgrund hinsichtlich des Tragens von Atemschutzgeräten sein. Sollten Allergien zu einem späteren Zeitpunkt erworben sein, kann dies auch ein Grund für eine vorzeitige Nachuntersuchung sein. Vor allem das Asthma bronchiale, eine durch Luftverschmutzung oder besondere körperliche Anstrengung hervorgerufene Atemwegsverengung, stellt hier eine besondere Gefahr dar und ist laut G 26 ein Ausschlusskriterium. Der ohnehin schon bestehende Atemwiderstand durch das Gerät und die in diesem Fall hinzukommende Verengung der Atemwege erschweren das Luftholen unter Atemschutz. Ein unkalkulierbares Risiko für einen Angriffstrupp.

Einsatzfähigkeit
Sind Allergien bekannt, sollte der Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen möglichst vermieden werden. Die betroffene Person sollte sich darüber informieren, was sie selbst in einem allergieauslösenden Fall für Maßnahmen ergreifen kann. Ein offenes Gespräch mit der Wehrführung ist anzustreben sowie die Mitteilung an vertraute Kameradinnen und Kameraden, was bei wem bei einer allergischen Reaktion zu tun ist. Gegebenenfalls sollte der betreuende Arzt konsultiert werden, um im Bedarfsfall geeignete medizinische Schutzmaßnahmen zu ergreifen. In diesem Zusammenhang müssen unbedingt mögliche unerwünschte Nebenwirkungen von Allergie-Medikamenten (z.B. Antihistaminika) berücksichtigt werden, die u.a. zu einer Einschränkung der Reaktions- bzw. Fahrtauglichkeit führen können.

Von einer Allergie betroffen zu sein, muss jedoch nicht automatisch das Ende der jeweiligen Tätigkeit im Einsatzdienst bedeuten. Gegebenenfalls muss über eine (neue) adäquate Funktion mit der Wehrführung gesprochen werden, um die betroffene Person vor möglichen gesundheitsgefährdenden Risiken während des Dienstes zu bewahren und sie als voll einsatzfähiges Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr zu erhalten.

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