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Meldungen aus dem Bereich Prävention



Präventionskampagne gestartet - Risiko raus: Stoppt die Kopflosigkeit!
14.01.2010

Wer mit dem Kopf nicht bei der Sache ist, riskiert einen Unfall. Die Folgen unüberlegten Handelns beim Transport im Betrieb, auf dem Arbeits- oder Schulweg können verheerend sein. Mit einer neuen Kampagne will die gesetzliche Unfallversicherung daher die Verantwortung der Menschen für sich und andere stärken. Das Motto: „Risiko raus!“.

Eigentlich hätte er darauf achten müssen. Eigentlich. Aber an diesem Freitagmorgen ist Fred M. mit dem Kopf schon woanders. Nämlich beim Einsatz. Seine Feuerwehr wurde zu einem Wohnungsbrand alarmiert und nun fährt er mit dem Gerätewagen Atemschutz zur Einsatzstelle. Er will schnell vor Ort sein, denn die Kameraden brauchen dringend Nachschub an Pressluftatmern. Mit Blaulicht und Martinhorn geht es zügig über die Landstraße. Die Warnschilder vor Nässe und Straßenglätte nimmt er nur am Rande wahr. Dann passiert es, ein glatter Straßenabschnitt, der Gerätewagen kommt ins Schlingern und landet kopfüber im Straßengraben. Dabei wollte Fred M. doch nur helfen ... .

Zu viele Unfälle

Fred M., ein Beispiele von tausenden. Knapp 230.000 Arbeitsunfälle jährlich verzeichnen die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung – Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und landwirtschaftliche Sozialversicherung – beim innerbetrieblichen Transport. Rund 150 davon enden tödlich. Hinzu kommen 23.000 Arbeits- und Dienstwegeunfälle im Straßenverkehr mit rund 170 Toten.
Auch der Weg zur Arbeit, zur Schule und zur Uni birgt Gefahren. So werden den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung jährlich rund 175.000 Wege- und Schulwegunfälle im Straßenverkehr gemeldet. Über 500 Versicherte verloren bei einem dieser Unfälle ihr Leben.

Prävention tut Not

„Die traurige Wahrheit hinter diesen Unfällen ist – mit Rücksicht und Verantwortung hätten viele von ihnen vermieden werden können“, sagt Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Leo Blum, Vorstandsvorsitzender der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung (LSV), ergänzt: „Unfälle führen uns vor Augen, welch tragische Folgen Leichtsinn, Zeitdruck und Selbstüberschätzung haben können. Leider vergessen die Menschen diese Lektion nur allzu schnell wieder.“
Für die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung steht fest: Das Bewusstsein für die Risiken beim Fahren und Transportieren muss gefördert, das Verantwortungsgefühl der Menschen füreinander muss gestärkt werden. Gemeinsam mit ihren Partnern, dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) und den Bundesländern, haben sie daher die neue Präventionskampagne „Risiko raus!“ ins Leben gerufen.

Faktor Mensch im Mittelpunkt

„Mit ‚Risiko raus!’ rücken wir den Faktor Mensch in den Mittelpunkt“, so die Projektleiter der Kampagne Elke Rogosky und Martin Rüddel. „Sie setzt damit genau da an, wo Sicherheitstechnik nicht mehr weiterhilft.“ Ziel ist, das Bewusstsein für die Verkehrssicherheit im Betrieb und auf der Straße zu schärfen. „Das bedeutet auch, Arbeitsorganisation und persönliches Verhalten darauf zu prüfen, ob sie Zeitdruck erzeugen, der wiederum die Unfallgefahr erhöht“, sagt Rogosky. „Die Kampagne richtet sich also nicht nur an die Arbeitnehmer, die die Tätigkeiten ausführen, sondern auch an diejenigen, die das betriebliche Umfeld gestalten.“
Die Kampagnenmacher haben jedoch nicht nur die Betriebe im Auge. Auch auf dem Schulweg soll es sicherer zugehen. „Kinder sind die schwächste Gruppe im Straßenverkehr – das zeigen die vielen Fahrradunfälle von 10- bis 16-jährigen Schülern“, erklärt Rüddel. „Hier verfolgen wir eine doppelte Strategie: Zum einen wollen wir alle Verkehrsteilnehmer dazu bringen, mehr Rücksicht auf Kinder zu nehmen. Zum anderen wollen wir erreichen, dass Schüler, Eltern und Lehrkräfte mehr über sicheres Fahrradfahren wissen und auch untereinander darauf achten.“

Eine Kampagne gegen die Kopflosigkeit

Wie aber will die Kampagne dieses Ziel erreichen? Hierzu setzen die Macher auf neue Kommunikationsformen, ein auffälliges Logo und vor allem eine clevere Idee: „Zeitdruck, Hektik, Unachtsamkeit – das alles bezeichnet der Volksmund gern als kopfloses Verhalten“, sagt Jürgen Kalweit, Präventionsleiter der HFUK Nord. „Das Kommunikationskonzept setzt daher darauf, diese Kopflosigkeit und ihre Folgen zu visualisieren.“

Und das sieht so aus:
Munter rast z.B. ein Gabelstapler durch eine Lagerhalle. Die Kartons auf der Gabel stapeln sich so hoch, dass der Fahrer nicht sehen kann, dass eine junge Frau in seiner Fahrbahn steht. Ihr entsetzter Blick nimmt den bevorstehenden Unfall schon vorweg. Über das Bild zieht sich der Schriftzug: „Mein Kopf ist noch in der Kantine.“ Eine Leerstelle im Satz hebt das überraschende Element im Motiv hervor: Der Kopf des Fahrers fehlt!
Das Arrangement von Text und Bild verweist auf die zentrale Aussage der Kampagne: Wer mit dem Kopf nicht bei der Sache ist, gefährdet sich und andere. Insgesamt neun Branchen- und Kindermotive sind bisher nach diesem Konzept entstanden. Sie zeigen Situationen, die aus dem Leben gegriffen sind. Da ist der Traktorfahrer, der von einem Nutzweg auf die Landstraße einbiegt, der Motorrollerfahrer, der sich an einer gefährlichen Straßenecke von einer hübschen Frau ablenken lässt. Da ist die Geschäftsfrau, die die Autotür öffnet, ohne sich umzuschauen, ob sie damit andere gefährdet, und der Geschäftsführer, der nur Aufträge im Kopf hat und das leichtsinnige Verhalten seiner Mitarbeiter nicht bemerkt.
Ein Kurztext am unteren Bildrand nennt die Gefahren, die mit solch kopflosem Verhalten verbunden sind. Daneben prangt das gelb-schwarze Logo der Kampagne: ein Ausrufezeichen in Form eines Warnschildes, dazu die Aufschrift „Risiko raus!“.

Für das Frühjahr 2010 sind weitere Motive geplant, darunter auch eines zum Thema „Feuerwehr“.

„Risiko raus!“ auf allen Kanälen

Doch das ist nicht alles. Um ihre Ziele zu erreichen, setzt die Kampagne auf eine vielfältige Ansprache der Zielgruppen. Neben einer kontinuierlichen Pressearbeit ist dies zum Beispiel die Präsenz auf einer Reihe von Veranstaltungen: etwa dem Deutschen Verkehrssicherheitstag 2010 in Dortmund.
„Ein besonderes Highlight ist für uns die Unterstützung des deutschen Stapler-Cups im Sommer 2010“, sagt Projektleiterin Rogosky. Bei dieser Meisterschaft im Gabelstaplerfahren geht es zuerst um Sicherheit und erst in zweiter Linie um Schnelligkeit. „Der Wettbewerb liegt damit nicht nur thematisch, sondern auch von seiner Philosophie voll auf der Linie unserer Kampagne.“
Auch neue Medien haben ihren Platz bei „Risiko raus!“. So gibt es ein Multimediaquiz, das es erlaubt, den eigenen Risikotyp zu ermitteln – ideal für den Einsatz bei Unterweisungen und Seminaren. Für Jugendliche gibt es spezielle Webclips, die insbesondere die Risiken des Fahrradfahrens thematisieren. Der Clou: Über die Möglichkeit, den Clip personalisiert an Freunde und Verwandte weiterzuschicken, verbreitet sich die Botschaft wie von selbst im Internet.

Und Fred M.? Er hatte noch einmal Glück. Er brauchte jedoch lange Zeit, um sich von den Folgen zu erholen: Ein Schädelhirntrauma und mehrere Knochenbrüche. An den Unfall erinnern ihn einige Narben. Für Fred M. steht nach dem Unfall fest: Er wird zukünftig auf Sicherheit setzen. Und die fängt beim eigenen Verhalten an. Kopflosigkeit – egal ob bei sich oder bei anderen – darf keine Chance haben. Egal ob bei der Arbeit oder im Straßenverkehr – am besten fährt man mit dem Motto “Risiko raus!”.

Weitere Informationen: www.risiko-raus.de




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