Entscheidungshilfe für die Praxis: Gesundheitliche Eignung und Funktion in der Feuerwehr

 
 
Bild Entscheidungshilfe

„Die körperliche Eignung ist durch einen Arzt festzustellen.“ So bzw. so ähnlich lautet die Formulierung in den Unfallverhütungs- und Feuerwehrdienstvorschriften. Was einfach klingt, erweist sich in der Praxis für die Feuerwehren oftmals schwer handhabbar. Bei den Atemschutzgeräteträgern, die nach dem BG-Grundsatz 26 untersucht werden, ist es noch relativ eindeutig - bei der Eignungsfeststellung für die übrige Feuerwehr-Mannschaft blieb bisher viel Interpretationsspielraum: Wer soll denn nun was und nach welchen Kriterien untersuchen? Mit der Veröffentlichung der „Entscheidungshilfe zur gesundheitlichen Eignung und Funktion in der Feuerwehr“ der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord (HFUK Nord) gibt es für derartige Fragestellungen nun eine Hilfe für Ärzte und Führungskräfte, die die praktische Anwendung der Vorschriften erleichtern soll.

„Die Zeit ist reif“, meinte Geschäftsführer Lutz Kettenbeil und dankte allen Mitwirkenden für die Geduld bei der Verwirklichung des Projektes „Entscheidungshilfe“. Gemeinsam mit Experten aus Arbeitsmedizin und Feuerwehr haben die Mitarbeiter der HFUK Nord die Grundsätze ausgearbeitet. Das nun vorliegende Ergebnis sei die logische Schlussfolgerung der andauernden Diskussion um die Folgen der demografischen Entwicklung, des tatsächlichen Gesundheitszustandes der Einsatzkräfte in den Feuerwehren und den in der UN-Behindertenrechtskonvention manifestierten Ansatz der Inklusion, so Kettenbeil weiter.

Mit der „Entscheidungshilfe“ sollen Vorschriften und Praxis wieder zusammengeführt werden. In den Brandschutzgesetzen der Länder, Unfallverhütungsvorschriften und Feuerwehrdienst-Vorschriften (FwDV) ist festgelegt, dass die körperliche Eignung durch einen Arzt festzustellen ist, wenn gesundheitliche Bedenken bestehen. Dies setzt jedoch voraus, dass man sich vom Bild des "Einheitsfeuerwehrmanns", der alles weiß und alles kann, verabschiedet. Die Abkehr vom „Alles oder Nichts“ hat den Vorteil, dass auch Feuerwehrangehörige mit einer gesundheitlichen Einschränkung in der Feuerwehr gehalten und Anwärter mit einem Handicap in die Wehr aufgenommen werden können, was gleichzeitig dem Ansatz der Inklusion Rechnung trägt. Allerdings setzt das System etwas mehr Flexibilität, Ehrlichkeit und Verwaltungsaufwand voraus. Diese Investitionen können sich aber sehr schnell für die Gemeinden und die Feuerwehren "bezahlt" machen.


Funktionen in der Feuerwehr werden aufgesplittet
Die „Entscheidungshilfe“ verfolgt den Ansatz, die Funktionen innerhalb der Feuerwehr weit aufzusplitten, was dazu führt, dass Feuerwehrangehörige mit gesundheitlichen Einschränkungen spezialisierte Funktionen im Ausbildungs-, Einsatz- und Logistikbereich innerhalb der Feuerwehr wahrnehmen können. 

Zwei Wege zur Beurteilung
Bei der Beurteilung gibt es zwei Wege, um zu einem Ziel zu gelangen: Zum einen kann der untersuchende Arzt eine generelle Eignungsuntersuchung vornehmen, bei der er von der höchsten gestellten Anforderung ausgeht; zum anderen kann er eine Untersuchung vornehmen, die sich nach den Eignungskriterien für eine bestimmte, vorher festgelegte, Funktion ausrichtet. Damit können sich auch Ärzte, die den Feuerwehrdienst nicht so genau kennen, in die Materie "einlesen" und von der fachlichen Beurteilung ihrer Kollegen profitieren. An der „Entscheidungshilfe“ haben Arbeitsmediziner und weitere Fachärzte, die das Feuerwehrmetier kennen, mitgearbeitet und geben ihren Berufskollegen eine Hilfe für den richtigen Untersuchungsansatz in der Praxis.

Keine Vorschrift, sondern Hilfe
Die HFUK Nord macht gleichzeitig klar: Die „Entscheidungshilfe“ ist keine weitere und auch keine rechtsverbindliche Vorschrift zur Gesundheitsvorsorge, sondern eine Initiative, gesetzliche Regelungen für die Praxis handhabbarer zu machen. Sie stellt für die Entscheidungsträger (Feuerwehrführer, Mediziner u.a.) eine fachliche Argumentationshilfe dar und macht eine fundierte Entscheidung leichter, nimmt dem Träger der Feuerwehr (Gemeinden) bzw. deren Beauftragte (Wehrführung) aber die Verantwortung nicht ab. Der mit der Eignungsuntersuchung beauftragte Arzt ist zwar nach wie vor verantwortlich für seine fachliche Entscheidung, erhält jedoch wertvolle Hinweise, wie er wen und in welchem Umfang zu untersuchen hat.

Die vollständige „Entscheidungshilfe“ finden Sie hier als PDF-Datei zum Herunterladen.

Hinweis: Die Entscheidungshilfe bieten wir derzeit nur zum Herunterladen an, es können keine gedruckten Exemplare versendet werden!


Vordrucke „Untersuchungsauftrag für den Arzt“ und„Untersuchungsergebnis zur Funktion und Eignung“
Wir haben zwei Vordrucke entwickelt, welche genutzt werden können, um einer Ärztin bzw. einem Arzt einen Auftrag zur Untersuchung von Feuerwehrangehörigen zu erteilen und in dem die Ärztin bzw. der Arzt die Untersuchungsergebnisse eintragen kann.
 
Die Vordrucke können online bearbeitet und heruntergeladen werden.
 
1. „Untersuchungsauftrag für den Arzt“
2. „Untersuchungsergebnis zur Funktion und Eignung“ 
 
Bitte die Vordrucke in dreifacher Ausfertigung ausdrucken (1. für die Gemeinde/ Feuerwehr, 2. für die zu untersuchende Person, 3. für den Arzt).
 
Wir möchten nochmals auf die Einhaltung der geltenden Datenschutzbestimmungen hinweisen und bitten darum, Unterlagen mit personenbezogenen Daten nur in verschlossenen Umschlägen weiterzugeben.

 
 
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